200 Jahre sind viel zu kurz! - Spardebatte und Säkulares
Anfrage an die Kanzlerin unterstützen: Was für Überlegungen gibt es bei der Kirchenfinanzierung? fragt Wolfgang Hirschfeld (man muss anklicken Beiträge abstimmen und suchen nach Kirchenfinanzierung) Eine Antwort gibt es nur für die
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Dazu jetzt ein Video vom ZDF "Was uns die Macht der Kirche kostet," und nochmal das Thema in einer anderen Sendung: "Steuermillionen für die Kirchen."
Ein offener Brief an Bischof Müller zu seinem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (3.8.. leider nicht online), von Sarah Jäckel, bfg-mÜnchen-Vorstandsmitglied (Zitate: "Es sieht so aus, als würden wir vom Staat bezahlt, in Wirklichkeit handelt es sich aber nur um die Renditen aus den im Jahr 1803 enteigneten Kirchengütern." ... und die Verfehlungen von Bischof Mixa sind "nicht so gravierend")
Lieber Herr Bischof Müller,
mit großer Freude habe ich ihre Worte zu den Enteignungsreparationen des Staates an die Kirchen gelesen. Wie recht Sie doch haben! Selbstverständlich steht es den Kirchen zu, auch noch bis ins nächste Jahrtausend Unsummen für Ländereien zu kassieren, die sie sich erschwindelt hatten oder von Despoten längst nicht mehr existenter Länder überschrieben bekamen. Natürlich sind die läppischen Abermillionen nur ein bescheidener Ausgleich dafür, dass Sie nicht mehr die Bauern, die die Güter bewirtschafteten auspressen und als Sklaven halten können.
Auch steht es natürlich ausser Frage, dass die Bundesrepublik in der ewigen Rechtsnachfolge von lokalen Landesfürsten ohne jede Legitimation steht. Wo kämen wir da auch hin, wenn solche Ansprüche schon nach ein paar hundert Jahren verfallen würden? Ausserdem kann es nicht angehen, dass sie in Zukunft die 230-Quadratmeter-Wohnungen von Bischöfen selbst renovieren müssen - und auch noch die Einrichtung dafür aus eigener Tasche zahlen. Dafür habe ich als Steuerzahlerin vollstes Verständnis, schließlich freut es mich, mein Geld sinnvoll in Antiquitäten und Weinkeller angelegt zu sehen.
Auch ihre warmen Worte zu Herrn Mixa finde ich herzerfrischend. Natürlich waren seine Verfehlungen lächerlich, vor allem im historischen Kontext. Weder hat er Kreuzzüge angezettelt noch ein paar Frauen als Hexen verbrannt um an ihr Vermögen zu kommen. Nicht einmal einen kleineren Religionskrieg mit den evangelischen Abtrünnigen hat veranstaltet. Ich bin eh' erstaunt, dass sie solche Weichlinge in ihrer Kirche dulden! Ein paar Kinder schlagen, ein bisserl Geld veruntreuen, na das sollte doch jeder Mesner besser können!
Ja, Herr Bischof, sie sprechen mir aus der Seele. Als Vertreter einer Institution, die selbst jegliche Wiedergutmachung an ihren Opfern ablehnt, hätten sie das nicht besser formulieren können. Natürlich, warum sollten sie auch ein paar Euro an die geprügelten und ausgebeuteten Überlebenden ihrer fürsorglichen und liebevollen Heimerziehung zahlen? Das sind ja nur Menschen, vielleicht sogar Frauen. Und noch schlimmer - Ungläubige. Das ist natürlich überhaupt nicht mit der Enteignung von Äckern und Wiesen ehemaliger Klöster zu vergleichen. Und Ansprüche dann erst nach Jahren geltend machen, weil vorher die Scham und die Angst zu groß war? Das verblasst natürlich vor der dringenden Notwendigkeit, ihre Pfründe aus dem Mittelalter zu sichern. Sicher lässt sich auch noch eine Rechtsnachfolge der Bundesrepublik für die Spanischen Erbfolgekriege und die Völkerwanderung finden. Da sind doch sicher auch ein paar Klöster und Kirchen beschädigt worden. Wollen sie sich die Millionen wirklich durch den Lappen gehen lassen, gerade sie als sehr bedürftige Institution?
Ach, Herr Bischof, ich weiss, meine Worte werden sie nicht erreichen. Aber für den unwahrscheinlichen Fall dass doch: seien sie sich meiner herzlichen Anteilnahme an ihrem schweren Los sicher. Sie müssen von mageren 5.500 Euro dahinvegitieren, bewohnen bescheidene Behausungen, für die sie gerechtfertigterweise nichts bezahlen - und sie verrichten ein Amt mit geradezu unglaublichen Strapazen. Ich glaube nicht, dass ein Bauarbeiter, Altenpfleger oder Bergarbeiter mit ihnen tauschen möchte. Alleine die Verantwortung im Umgang mit Steuergeldern die sie haben, die schrecklichen Überlegungen, in welcher Kasse die staatlichen Zuwendungen gebunkert werden sollen, das muss ihnen doch den Schlaf rauben.
Herr Bischof Müller, ich schließe mit dem Ausdruck meiner Hochachtung. Wenn ein Mann wie sie es schafft, ein Spitzenamt auszuüben, ohne jeglichen Realitätssinn zu besitzen, dafür aber mit einer so überwältigenden Frechheit und Chuzpe ausgestattet ist, sich Tatsachen hinzudrehen wie er es gerade braucht, dann nötigt mir das als Bayerin großen Respekt ab. Schließlich neigen wir dazu, Gestalten als Landesväter zu lieben, denen nichts näher als ihr eigener Geldbeutel ist.
Herr Bischof Müller, machen sie weiter so! Sie erweisen uns einen großen Gefallen, denn nichts ist dem Laizismus im Lande dienlicher als ihre Arroganz und Selbstherrlichkeit, die mittlerweile erfreulicherweise sogar ihnen wohlgesonnene Politiker beginnt anzuekeln.
Mit besten Grüßen
Sarah Jäckel
Ob die Fortsetzung zum Thema Selbstherrlichkeit oder Verlogenheit gehört, muss jeder selber entscheiden. Die SZ berichtet am Folgetag (4.8.) im Bayernteil "Katholiken wollen Bischöfe bald selbst bezahlen" und dazu wird der Leiter des Katholischen Büros in Bayern, Lorenz Wolf, zitiert. Aussage: Die katholische Kirche will die Bezahlung der Bischöfe durch den Staat so schnell es geht beenden (er denkt an ca. 5 Jahre). Natürlich müsse es dann vom Staat Kompensationen geben. Im Klartext: Das mit dem "Selbstbezahlen" ist ein glatter Betrugsversuch.
Die Humanistische Union (HU) hat dazu eine Pressemitteilung "Höchste Zeit für eine Inventur"
Zur Spardebatte schreibt DER SPIEGEL: Landespolitiker wollen Kirchen Millionenzuschüsse kürzen. Staat zahlt 442 Millionen Euro für Kirchengehälter. Muss auch wirklich nicht sein. (DER SPIEGEL 30/2010, S. 30-33, Jagd auf die Kirchenmäuse)
Bei Carsten Frerk kann man es ausführlich nachlesen: Finanzen und Vermögen der Kirchen in Deutschland.
Auf den Webseiten der Humanistischen Union sind jetzt die Referate der 4. Berliner Gespräche vom Januar 2010 (jeweils mit Kurztext und Ton, je ca. 20 min). Da geht es in aller Ausführlichkeit um die Kirchensteuer, mit Argumenten pro und kontra ("Die Privilegien der Kirchen und das Grundgesetz"). Empfehlenswert sind die Beiträge von Carsten Frerk und Gerhard Czermak.
Die Sozialdemokraten sind auch auf dem Vormarsch: Es geht um die Bildung eines anerkannten SPD-Arbeitskreises Laizisten in der SPD und andere Maßnahmen zur Trennung von Kirche und Staat. Vor allem sollten auch die Finanzen getrennt werden. Mal schauen, ob sich da bfg-Kontakte ergeben.
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