Schraubenschlüssel am Bande
"Schraubenschlüssel am Bande" 2007
Im Jahr Juli 2007 wurde vom bfg München der „Schraubenschlüssel am Bande“ ins Leben gerufen. Hier handelt es sich um einen satirischen Preis, der einer in der Öffentlichkeit reichlich bekannten Persönlichkeit zuerkannt wird, die aus Sicht des bfg München die aktuell größte lockere Schraube hat. Im letzten Jahr wurde dieser Preis Ihrer Durchlaucht „Fürstin“ Prinzessin Gloria von Thurn und Taxis zuerkannt. Unsere Einladung, den großen Schraubenschlüssel während der Mitglieder-Versammlung in der Seidl-Villa abzuholen, ist sie erwartungsgemäß nicht nachgekommen; so viel Humor haben wir ihr auch nicht im Ernst zugetraut.
"Schraubenschlüssel am Bande" 2008
Im Kandidatenrennen dieses Jahr waren neben Eva Herman auch die drei „M“s der katholischen Kirche, die Bischöfe Marx, Mixa und Müller in die Endauswahl gekommen. Eva Herman befanden wir als nicht ganz so aktuell für dieses Jahr, und in Bezug auf die Bischöfe einigten wir uns sehr schnell darauf, dass die ja aufgrund ihres Berufes automatisch privilegiert sind im Ringen um diese Auszeichnung , was unseren Gerechtigkeitsvorstellungen doch deutlich widersprach. Also fiel die Wahl auf Norbert Geis.
Der Preisträger ist seit 1967 CSU-Mitglied, Rechtsanwalt, war von 1981 bis 1986 Abgeordneter im bayerischen Landtag, ist Mitglied des Bundestages seit 1987, Mitglied im „Forum deutscher Katholiken“, von „Kirche in Not“ und Rechtsexperte der CSU.
Aufsehen erregte Geis 1993, als er einen Deutschland-Auftritt von „Madonna“ im Rahmen ihrer "The Girlie Show"-Tournee verbieten lassen wollte (Madonna ist die wohl erfolgreichste Popsängerin unserer Zeit, deren streng katholische Erziehung sie über die Jahre so etwas wie eine Hassliebe zu dieser Religion entwickeln ließ, was sie bei zahlreichen Auftritten durch teilweise umstrittenen Einsatz christlicher Symbole bzw. Verbindungen von Religion und Erotik zum Ausdruck brachte).Norbert Geis sprach sich als Rechtsexperte deutlich gegen das Lebenspartnerschaftsgesetz aus, da er eine rechtliche Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften ablehnt. Am 9. Juli 2007 befürwortete er in einem Interview die „gezielte Tötung von potenziellen Aggressoren" als Präventivmaßnahme sowie die Sicherungsverwahrung von "Gefährdern" ohne Prozess. Am 22. Februar 2008 erhielt Norbert Geis aus der Hand des Würzburger Bischofs Friedhelm Hofmann den päpstlichen Gregoriusorden als Würdigung seines Einsatzes für die Wahrung christlicher Werte in der Gesetzgebung und für den Schutz ungeborener Kinder in den Auseinandersetzungen um die Abtreibungsgesetzgebung und die Forschung mit embryonalen Stammzellen.
Den „Schraubenschlüssel am Bande“ 2008 hat sich Geis durch seine aktuellen Äußerungen in Zusammenhang mit den Buddhas erworben, die auf Initiative des Trainers Jürgen Klinsmann im neuen Leistungszentrum des deutschen Rekordmeisters FC Bayern unter reichlich Anteilnahme aufgestellt wurden. Nicht nur, dass er – der Rechtsexperte seiner Partei – es als angebracht und wohl notwendig befand, sich öffentlich zur Raumgestaltung der Räume einer weltanschaulich eher ungebundenen Einrichtung zu äußern („Jürgen Klinsmann ist sicher ein guter Trainer, aber ich finde, die Buddha-Statuen sind etwas übertrieben*) . Nein, eine solche Raumveränderung ruft geradezu nach moralischer Bewertung durch einen christsozialen Politiker! Bei aller Achtung der religiösen Gefühle eines (im übrigen weder von der katholischen Kirche, noch von der CSU, noch von ihm selbst bezahlten) Sportfunktionärs gehen dessen Dekorationsmaßnahmen auf dem Vereinsgelände aber wirklich zu weit! Herr Klinsmann könne seine religiösen Gefühle für sich privat ausleben (immerhin!), „(...) aber ich finde, man sollte den Spielern nicht eine Religion als dominierende Maßgabe anbieten.(...)“.*
Haben wir uns auch nicht verlesen? Das könnte uns ja richtig optimistisch stimmen! Denn wenn man Fußballspielern „nicht eine Religion als dominierende Maßgabe anbieten“ soll, dann gehören die „dominierenden Maßgaben“ wie Kreuze und Kruzifixe in bayerischen Gerichtssälen und Schulzimmern doch bestimmt gleich der Vergangenheit an. Oder wollte Norbert Geis damit nur sagen, dass Religionsfreiheit in Bayern nur für Fußballspieler und –funktionäre gilt? Oder wollte er anregen, dass doch lieber Kruzifixe im Leistungszentrum an der Säbener Straße angebracht werden sollten, weil die weniger „dominierenden“ Maßgaben? Denn schließlich ist man diesen Ausstattungsgegenstand hierzulande ja auch eher gewöhnt, von seiner Wirkung überzeugt und überhaupt: Gott mit Dir, Du Fußball der Bayern? Bestimmt lässt sich die Finanzierung durch die Erzdiözöse München-Freising irgendwie machen... gegen ein paar Freikarten im neuen Stadion? Wie dem auch sei, wir werden Herrn Geis von seinem Gewinn in Kenntnis setzen; die feierliche Übergabe des Schraubenschlüssels erfolgt im Rahmen der Preisverleihung „Der Freche Mario“ im Oberangertheater, im übrigen ein Raum ohne jegliche „dominierende Maßgabe“, am Freitag, den 10. Oktober!
weitere Infos unter www.hpd.de
