Leitkultur
Leitkultur/Lügenkultur
Unsere Kultur beruht nicht auf den christlichen Werten, sondern auf Freiheit, Gleichheit und Rechtsstaatlichkeit. Zudem verschaffen uns Wissenschaft und Technik die materielle Freiheit, die uns von der Existenznot erlöst. Die Wissenschaft hat sich überall in der technischen Welt durchgesetzt, denn dort funktioniert nur das, was auf der Wahrheit basiert und nicht auf irgendwelchen Phantasien.
Unsere Kultur beruht nicht auf den christlichen Werten, sondern auf Freiheit, Gleichheit und Rechtsstaatlichkeit. Zudem verschaffen uns Wissenschaft und Technik die materielle Freiheit, die uns von der Existenznot erlöst. Die Wissenschaft hat sich überall in der technischen Welt durchgesetzt, denn dort funktioniert nur das, was auf der Wahrheit basiert und nicht auf irgendwelchen Phantasien.
In der sozialen, medialen und politischen Welt ist es dummerweise anders. Obwohl das ganze Leben von den modernen Errungenschaften bestimmt wird, unterliegt die ethische Szene nach wie vor der religiösen Bevormundung. Diese Diskrepanz besteht vom Anfang der Aufklärung an. Vor 500 Jahren wurde die Welt kolonialisiert, mit Schiffen und Kanonen, die der Technik gedankt waren. Als Dreingabe missionierte man eine nicht dazu passende Religion. Die Kolonien wurden dadurch zweimal betrogen:
- Einmal, weil die Freunde aus dem Abendland sich als Ausbeuter entpuppten.
- Und zum zweiten, weil der aufoktroyierte Gott gar nicht der übermächtige Gott der Hochseeschiffe und der Kanonen war, sondern eine abgewirtschaftete Schimäre, gegen die das technische Machtpotential erkämpft worden war. Die Kolonisierten hätten sich wohl kaum zum Christentum bekehren lassen, wenn sie das gewusst hätten. Aber das war ja nicht mal den Kolonisten bewusst. Noch heute glauben die meisten Leute, unsere abendländische Leitkultur wäre eine christliche.
500 Jahre lang hat man den Menschen das vorgegaukelt. Man tut immer noch so, als ob nicht Aufklärung und Humanismus unsere maßgebenden Werte gegen das Christentum erstritten hätten. Dabei ist es doch so bezeichnend, wenn die Gläubigen vor ihrem »Herrn« das Knie beugen. Dieses archaische Relikt kündet von sklavischer Unterordnung. Es ist genau das Gegenteil von Freiheit und Gleichheit, und die Rechtsposition des Gläubigen gegenüber seinem Gott wird von »Gnade« - also von Willkür - bestimmt.
Man mag einwenden, die christliche Religion habe sich mit den humanistischen Idealen zumindest arrangiert, im Gegensatz zum Islam und den anderen Weltreligionen. Was bleibt, ist aber die fatale Bewusstseinstrübung, die aus der Melange des Unvereinbaren entsteht. Aus der Unkenntnis der wahren abendländischen Werte entspringt die Missachtung der modernen zivilisatorischen Errungenschaften, die sich im Niedergang unserer Werte widerspiegelt. Wo die Falschen sich die Deutungshoheit anmaßen, da fehlt die Autorität für
die richtigen Werte. Das religiöse Agendasetting ist direkt verantwortlich für die intellektuelle Verwahrlosung.
Es hat uns keine Leitkultur beschert, sondern eine Lügenkultur; eine Unkultur aus Blendung, Heuchelei und Betrug. Es geht nicht nur darum, dass die Religion unsere moderne Welt mit ihrem überkommenen Ethos überziehen will, und dass sie die Gläubigen damit in den Zwiespalt zwischen der Realwelt und der religiösen Phantasiewelt stürzt. Es geht viel mehr um die allgegenwärtige Lüge und Täuschung in unserer Gesellschaft. Warum schreitet wohl niemand ein, wenn die Politiker das Blaue vom Himmel herunter versprechen? Und wo kommen unsere Finanzkrisen denn her, wenn den Leichtgläubigen kein fauler Zauber untergejubelt wird, nur dass es Geldversprechungen sind statt Himmelsversprechungen?
Der gefühlte Nutzen der Religion bemisst sich nach »Transzendenz«, nach der Lust an der Unterwerfung und nach dem sinnigen Gefühl aus den »Offenbarungen«. Der Schaden der Religion ist viel klarer erfassbar. Im Interesse unserer Zukunft dürfen wir die Defizite des religiösen Ethos' nicht länger tolerieren:
- Lügenkultur - aus objektiver Sicht vermarktet die Religion ein Nichts. Den Himmelsversprechungen fehlt die reale Substanz. Das Entsprechende in der Geschäftswelt sind Geldversprechungen ohne Substanz. Die ganze Illusionsbranche lebt von solcher Betrügerei, und die Religion macht vor, wie es geht.
- Übervölkerung - die Religion übt starken Druck aufs Kinderkriegen aus. Deshalb trägt sie schwere Schuld an der weltweiten Übervölkerung und den resultierenden sozialen und ökologischen Problemen.
- Überalterung - die Religionen wurden in vortechnischer Zeit erfunden. Sie bevormunden das Ethos aber heute noch. Daraus resultiert das ethische Vakuum, das den Fortschritt in Markt und Technik umgibt. Für die Finanzmärkte werden dringend neue ethische Richtlinien gebraucht. Und für wen arbeiten die Roboter? Dürfen sie es nur für die Besitzenden tun, statt für die Allgemeinheit? Und dürfen rückständige Regime mit fortschrittlichen Waffen ausgestattet werden? Ist es zulässig, dass die Krämerseelen unsere technischen Innovationen in die ganze Welt verkaufen, wo sie dann gegen uns eingesetzt werden? Und wenn unser Geld in einem Zwangssystem steckt, dem nur die Heimatlosen unter der Brücke entrinnen können, müssten dann nicht Anstand und Redlichkeit darin walten? Oder dürfen Schmarotzer zu ihrem Eigennutz mit unserem Guthaben zocken?
Die Antwort kann jetzt nicht sein, ich hab sowieso nur Schulden. Jeder von uns ist betroffen. Deshalb müssen wir unseren Anspruch auf Wahrhaftigkeit und Rationalität gegen die Religion geltend machen, genauso wie den Anspruch auf kompetente Politik gegen die Regierung. Hier geht es um die Grundlage unserer Zivilisation. Der Realwelt wird ein Ethos aus der religiösen Mache übergestülpt, und ein unpassendes Ethos ist genauso schlecht wie gar keins. Religiöse Indoktrinierung ist nicht besser als Verwahrlosung vor dem TV; Demut statt Vernunft ist nicht besser als gar keine Vernunft. So oder so kommt kein verantwortlicher Umgang mit der modernen Welt zustande, mit Kinderkriegen, Geld, Drogen, TV, Wissen ...
Der Technikfortschritt macht das Ethosdefizit immer größer, und der ethikfreie Raum ist auch ein gesetzesfreier Raum. In diesem Niemandsland erleben wir die Besitzergreifung von Zockern und Finanz-Desperados. Die Finanzleute schwingen sich von Dienstleistern zu unseren Herren auf, und das moralische Machtwort dagegen bleibt ungesprochen. Die ethische Agenda muss dringend neu gesetzt werden. Unsere wahre Leitkultur muß endlich dort ankommen, wo sie hingehört, nämlich in den ethischen Standards. Sie ist als Bewertungsmaß für die moderne Welt unverzichtbar.
Unsere Leitkultur verkündet Gleichheit und beschert uns damit die Demokratie. Jeder hat eine Stimme. Er muss sie nur erheben - ergänzend der Standpunkt der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) zur Leitkultur, artikuliert von Michael Schmidt-Salomon
Der Technikfortschritt macht das Ethosdefizit immer größer, und der ethikfreie Raum ist auch ein gesetzesfreier Raum. In diesem Niemandsland erleben wir die Besitzergreifung von Zockern und Finanz-Desperados. Die Finanzleute schwingen sich von Dienstleistern zu unseren Herren auf, und das moralische Machtwort dagegen bleibt ungesprochen. Die ethische Agenda muss dringend neu gesetzt werden. Unsere wahre Leitkultur muß endlich dort ankommen, wo sie hingehört, nämlich in den ethischen Standards. Sie ist als Bewertungsmaß für die moderne Welt unverzichtbar.
Unsere Leitkultur verkündet Gleichheit und beschert uns damit die Demokratie. Jeder hat eine Stimme. Er muss sie nur erheben - ergänzend der Standpunkt der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) zur Leitkultur, artikuliert von Michael Schmidt-Salomon
