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75 Jahre - Tag der Befreiung – weiße Fahnen für Frieden und Freiheit

Zuletzt aktualisiert von presse am 21. April 2020 - 8:20
Ein Projekt unter der Schirmherrschaft des Münchner Oberbürgermeisters Dieter Reiter

Der Bund für Geistesfreiheit München macht auf ein unterstützenswertes Projekt von Aktionskünstler Wolfram Kastner und Michael Wladarsch vom Designbüro 84 GHz aufmerksam, das unter der Schirmherrschaft des Münchner Oberbürgermeisters Dieter Reiter steht:
 
"Vom 30. April bis zum 8. Mai 2020 werden am Münchner Marienplatz und vielen anderen Instituten und Gebäuden weiße Fahnen mit der Aufschrift „Tag der Befreiung – 30. April 1945“ gehisst.
 
BürgerInnen der Stadt sind eingeladen, aus den Fenstern von Wohnungen, Büros und Werkstätten weiße Fahnen zu hängen und Bilder aus der Zeit unmittelbar nach dem Kriegsende einzureichen.
 
Weitere städtische und staatliche Institutionen (Museen, Behörden, Schulen, Theater u.a.) werden angefragt und gebeten, weiße Tücher und/oder Fahnen zu zeigen.
 
MusikerInnen und alle BürgerInnen sind eingeladen, am 30. April um 12.00 Uhr, aus Fenstern und von Balkonen, Lieder und/oder Musik zum Tag der Befreiung ertönen zu lassen.
 
Zum 30. April werden wir die online-Ausstellung „Tag der Befreiung“ eröffnen.
www.tagderbefreiung.online
 
Alle Aktivitäten werden in sozialen Medien kommuniziert und dokumentiert.
#tagderbefreiung
 

So könnte das Münchner Rathaus am 30. April aussehen.
 
Hintergrund:
 
Mit dem Einmarsch der Rainbow Division der US-Army am 30. April 1945 wurden das Nazi-System und die „Hauptstadt der Bewegung“ beendet. Am 7. Mai 1945 musste der Nazi-General Jodl die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht unterzeichnen, am 8. Mai war der Krieg zu Ende.
 
Die Befreiung der von den Nazis politisch und rassistisch Verfolgten, der KZ-Häftlinge, der Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen, der Kriegsdienstverweigerer und Widerstandskämpfer war damit verbunden. Für die NS-Verbrecher, Mitläufer und Sympathisanten war es dagegen Zusammenbruch, Niederlage und das Ende ihres mörderischen Unterdrückungs- und Gewaltsystems.
 
65 Millionen Menschen waren gewaltsam zu Tode gekommen. Mit 27 Millionen Getöteten waren die Völker der Sowjetunion am stärksten betroffen. Sechs Millionen europäische Juden wurden ermordet, über drei Millionen sowjetische Kriegsgefangene, bis zu 500.000 Sinti und Roma sowie etwa 300.000 behinderte und pflegebedürftige Menschen.
 
Der 30. April 1945 war und bleibt „ein die Zeiten überdauernder Tag der befreienden Niederlage und des rettenden Zusammenbruchs“ (Martin Sabrow, Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam).
 
Wir haben den alliierten Siegermächten den Frieden und die Befreiung vom Nazi-System zu verdanken und wollen das – wie in vielen anderen Ländern – im Gedächtnis behalten und feiern.
 
Mit diesem Tag begann ein mühsamer Prozess der Demokratisierung und der Entwicklung von Freiheitsrechten, der bis heute andauert. Gerade in Krisenzeiten ist die demokratische freiheitliche Struktur einer Gesellschaft besonders wichtig und einer belastenden Bewährungsprobe ausgesetzt. Wir dürfen die Gefahren für die Demokratie nicht verharmlosen, wir dürfen Freiheitsrechte nicht leichtfertig aufs Spiel setzen und müssen sie mit Geschichtsbewusstsein bewahren und weiterentwickeln.
 
Der braune demokratiefeindliche Virus ist leider nicht verschwunden, wie die rechtsextremistischen Morde der letzten 30 Jahre, und vor allem der vergangenen Monate, zeigen. Es gilt, außer dem coronalen Virus, auch braune Viren zu bekämpfen, Infektionswege zu stoppen und Widerstandskräfte zu stärken. Wir sind alle in der Verantwortung, uns gegen Hass und Gewalt zu wehren und für freiheitliche Menschenrechte offen und sichtbar einzustehen.
 
Leider mussten alle Veranstaltungen, Vorträge und Versammlungen zum 75. Jahrestag der Befreiung abgesagt werden. Umso wichtiger ist es, trotzdem öffentliche Zeichen zu setzen für Freiheit und Frieden sowie gegen Geschichtsverfälschung und -revisionismus. Zeichen, die weithin wahrnehmbar sind – auch weit über die Stadt München hinaus.
 
Am 30. April 1945 waren nur wenige weiße Fahnen in München zu sehen. 75 Jahre danach sollen weiße Fahnen und Tücher in der ganzen Stadt wehen, als Zeichen für Frieden und Freiheit, gegen Krieg, Hass und Gewalt. Die Beteiligung möglichst vieler Institutionen und BürgerInnen der Stadt ist erwünscht.
 
Wir erstarren nicht vor Angst. Wir stellen uns der Gefahr.
Nichtstun wäre ein falsches Signal. Wir zeigen, dass wir aus der Geschichte lernen, Würde und Freiheit aller Menschen zu achten und uns für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen.
 

Die Ludwigs-Maximilians-Universität am 30. April?

Wir suchen Fotos
 
Wir wollen den Tag der Befreiung, den 30. April 1945, in einer online-Ausstellung dokumentieren und suchen dazu Fotografien aus München, die zu dieser Zeit gemacht wurden. Diese Bilder werden auf einer interaktiven Karte von München im Rahmen der online-Ausstellung präsentiert. Wenn jemand noch ein Fotoalbum mit Aufnahmen aus dieser Zeit besitzt oder jemand kennt, der ein solches besitzen könnte, freuen wir uns über eine digitale Version (Scan, Foto vom Foto) für unsere Website. Schön wäre es, den Ort und das Datum der Aufnahme zu kennen. Gut wäre es auch, den Namen dazu zu schreiben, damit wir uns für die Mitarbeit auf der Website bedanken können. Die Bilder können an freiheit@84ghz.de gesendet werden.
 
Idee, Konzept und Organisation:
 

Wolfram P. Kastner (Institut für Kunst und Forschung)
 
und Michael Wladarsch (84 GHz)
 
E-mail: freiheit@84ghz.de
 
Das Projekt wird unterstützt von:
 
Sepp Bierbichler, Michaela Dietl, Till Hofmann, Robert Hültner, Dr. Sylvia Katzwinkel, Claus-Peter Lieckfeld, Ecco Meineke, Terry Swartzberg, Gunna Wendt
 
DGB Region München, ver.di - Bezirk München & Region, GEW - Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, München ist bunt, Das andere Bayern, Bund für Geistesfreiheit München, Kulturverein Isar-Loisach, Sendlinger Kulturschmiede, Beth Shalom, US-Generalkonsulat München, SPD München und Bayern, Kurt-Eisner-Verein / Rosa-Luxemburg-Stiftung Bayern, NS-Dokumentationszentrum, Börse München, Hochschule für Theater und Musik, Haus der Kulturinstitute, u.v.a.m
 
Schirmherrschaft: OB der Landeshauptstadt München Dieter Reiter
 
Das Projekt wird gefördert vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München."