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75 Jahre - Tag der Befreiung – weiße Fahnen für Frieden und Freiheit in München

Zuletzt aktualisiert von presse am 8. April 2020 - 16:23
Vorschlag Wolfram Kastner und Michael Wladarsch für das Münchner Rathaus

Jetzt steht es fest: Vom 30. April bis zum 8. Mai 2020 werden in der Münchner Fußgängerzone/Kaufingerstraße weiße Fahnen mit der Aufschrift „Tag der Befreiung – 30. April 1945“ gehisst. Das Projekt von Aktionskünstler Wolfram Kastner und Michael Wladarsch, Vorsitzender des Bundes für Geistesfreiheit München, steht unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Dieter Reiter.
 
Alle Bürger_innen der Stadt sind eingeladen, aus den Fenstern von Wohnungen, Büros und Werkstätten weiße Fahnen zu hängen. Städtische Institutionen (Museen, Behörden, Schulen, Theater u.a.) werden gebeten, weiße Tücher und/oder Fahnen zu zeigen. Musiker_innen und alle Bürger_innen sind eingeladen, am 30. April um 12.00 Uhr, aus Fenstern und von Balkonen, Lieder und/oder Musik zum Tag der Befreiung ertönen zu lassen.
Zum 30. April werden Kastner und Wladarsch zudem das Online-Museum „Tag der Befreiung“ eröffnen.
 
Hintergrund:
 
Mit dem Einmarsch der Rainbow Division der US-Army am 30. April 1945 wurden das Nazi-System und die „Hauptstadt der Bewegung“ beendet. Am 8. Mai 1945 musste der Nazi-General Jodl die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht unterzeichnen. Der verbrecherische Krieg war somit beendet. Die Befreiung der von den Nazis politisch und rassistisch Verfolgten, der KZ-Häftlinge, der Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen, der Kriegsdienstverweigerer und Widerstandskämpfer war damit verbunden. Für die NS-Verbrecher, Mitläufer und Sympathisanten war es dagegen Zusammenbruch, Niederlage und das peinliche Ende ihres mörderischen Unterdrückungs- und Gewaltsystems.
 
65 Millionen Menschen waren gewaltsam zu Tode gekommen. Mit 27 Millionen Getöteten waren die Völker der Sowjetunion am stärksten betroffen. Sechs Millionen europäische Juden wurden im Rahmen des Nazi-Völkermordes ermordet, über drei Millionen sowjetische Kriegsgefangene, bis zu 500.000 Sinti und Roma sowie etwa 300.000 behinderte und pflegebedürftige Menschen.
 
Der 30. April 1945 war und bleibt „ein die Zeiten überdauernder Tag der befreienden Niederlage und des rettenden Zusammenbruchs“ (Martin Sabrow, Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam).
 
Die Projektverantwortlichen Kastner und Wladarsch weisen zurecht daraufhin, dass "wir den alliierten Siegermächten den Frieden und die Befreiung vom Nazi-System zu verdanken haben und wir das – wie in vielen anderen Ländern – im Gedächtnis behalten und feiern sollten".
 
Mit diesem Tag begann ein mühsamer Prozess der Demokratisierung und der Entwicklung von Freiheitsrechten, der bis heute andauert. Gerade in Krisenzeiten ist die demokratische freiheitliche Struktur einer Gesellschaft besonders wichtig und einer belastenden Bewährungsprobe ausgesetzt. Wir dürfen die Gefahren für die Demokratie nicht verharmlosen, wir dürfen Freiheitsrechte nicht leichtfertig aufs Spiel setzen und müssen sie mit Geschichtsbewusstsein bewahren und weiterentwickeln.
 
Der braune demokratiefeindliche Virus ist leider nicht verschwunden, wie die rechtsextremistischen Morde der letzten 30 Jahre zeigen. Es gilt, außer dem coronalen Virus, auch braune Viren zu bekämpfen, Infektionswege zu stoppen und Widerstandskräfte zu stärken. Wir sind alle in der Verantwortung, uns gegen Hass und Gewalt zu wehren und für freiheitliche Menschenrechte offen und sichtbar einzustehen.
 
Leider mussten alle Veranstaltungen, Vorträge und Versammlungen zum 75. Jahrestag der Befreiung abgesagt werden. Umso wichtiger ist es, trotzdem öffentliche Zeichen zu setzen für Freiheit und Frieden sowie gegen Geschichtsverfälschung und braunen Sumpf. Zeichen, die weithin wahrnehmbar sind – auch weit über die Stadt München hinaus.
 
Am 30. April 1945 waren nur wenige weiße Fahnen in München zu sehen. Deswegen wünschen sich Kastner und Wladarsch, dass 75 Jahre danach in der ganzen Stadt weiße Fahnen und Tücher wehen - als Zeichen für Frieden und Freiheit, gegen Krieg, Hass und Gewalt.

Das Projekt wird unterstützt von
 
Sepp Bierbichler, Michaela Dietl, Till Hofmann, Robert Hültner, Dr. Sylvia Katzwinkel, Claus-Peter Lieckfeld, Ecco Meineke, Terry Swartzberg, Gunna Wendt
 
sowie
 
Kulturreferat der Landeshauptstadt München, ver.di - Bezirk München & Region, GEW - Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, „München ist bunt“ e.V., Das andere Bayern e.V., Bund für Geistesfreiheit München, Beth Shalom, US-Generalkonsulat München, Kulturverein Isar-Loisach e.V.