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Dauerskandal Kirchenfinanzen

Zuletzt aktualisiert von bfg-muenchen am 10. März 2013 - 1:00

Unter dem Titel "Ausgerechnet" berichtet sie SZ am 26.3. über die Malteser, online heißt es Ein unchristlicher Lohnstreit - Wer diese Arbeiten verrichtet, verdient "mehr als 7,50 Euro in der Stunde", mehr gehe nicht - das sagt der Malteserverband - Zwei Sanitäter aus München werfen dem Malteser Hilfsdienst vor, seinen Beschäftigten nur Dumpinglöhne zu zahlen. Was passiert? Die Betriebsräte bekommen die fristlose Kündigung, weil sie ihren Arbeitgeber um Arbeitszeit betrogen haben sollen - einer der beiden um eine halbe Stunde. Über den Alltag bei einem christlichen Hilfsverband, bei dem immer öfter der Preis die Ethik schlägt.

TV-Debatte in der Reihe "Es werde Licht" zum Thema "Gegen Kirchenprivilegien — Was bringt uns das Volksbegehren?" Ein Link zu atheisten-info.at (25.3.).

In einer Pressemitteilung appelliert die HU (Humanistische Union) am 19.3. an den Bundestag, das Gebot zur Ablösung der Staatsleistungen endlich ernst zu nehmen - Verfassungsauftrag geht vor Abschiedsgebet - Die Verfassung enthält keine Regelung des Einzugs kirchlicher Steuern durch den Staat. Der Steuereinzug durch den Staat verletzt in eklatanter Weise das Gebot der Trennung von Staat und Kirche.
In dieselbe Richtung zielt ein Papier der Freien Bürger (eine kirchenfreie christliche Religionsgemeinschaft) über die Staatsleistungen 2012: ... Mehr als 40 Prozent der Bundesbürger gehört keiner Kirche an. Dürfen diese von den gewählten Politikern nicht erwarten, dass die Feudalzeit auch in Deutschland endlich beendet wird? ... in der Sache ist die Argumentation richtig, aber ein bissel (gewollt) naiv: ... Die Frage, Sind unsere gewählten Volksvertreter dazu da, steinreichen Institutionen jeden Wunsch zu erfüllen? Oder sind sie dazu gewählt worden, für die Interessen der Bürger und Steuerzahler einzutreten? ... Das verkennt die Motivation der Politik, bei der Machtergreifung ganz vorn dran steht. ... Wo kommen wir denn da hin, wenn der Staat z.B. einem Wirtschaftsunternehmen Jahr für Jahr Gelder aus Steuermitteln schenkt und sich dabei verpflichtet, die Zahlungen nur dann einzustellen, wenn das Unternehmen irgendwann von sich aus sagt, dass es kein Geld mehr vom Staat will. Das ist doch eine Verhöhnung einfachster demokratischer Grundsätze und zudem ein Versuch, kommende Generationen zu knebeln.... Genauso isses.

Das Thema landet zusehends in den Medien (28.1.):

  • Der WDR fragt Kirchliche Trägerschaft : Was bringt uns das eigentlich? Jede dritte Klinik und jeder dritte Kindergarten bundesweit ist in kirchlicher Trägerschaft. Die Kirchen haben in all diesen Einrichtungen ein großes Gestaltungsrecht – das ist gesetzlich verbrieft. Aber was leisten die Kirchen dafür? Und wie viel Geld stecken sie selbst in die Einrichtungen?
  • Die ARD berichtet über Arbeiten für Gottes Lohn  - wie die Kirche ihre Sonderrechte ausnutzt. Über Gerechtigkeit und Nächstenliebe reden die Kirchen gern und viel. Doch viele ihrer Mitarbeiter vermissen genau diese Tugenden, wenn es um die Bedingungen an ihren Arbeitsplätzen geht. Immer wieder kämpfen sie gegen Lohndumping und Leiharbeit in ihren kirchlichen Einrichtungen. Rund 1,3 Millionen Menschen sind bei den kirchlichen Wohlfahrtsverbänden Caritas und Diakonie beschäftigt. Damit sind die Kirchen nach dem Öffentlichen Dienst der zweitgrößte Arbeitgeber in Deutschland. Geänderter ARD-Termin (3.1.) von Im Namen Gottes - Wie gnadenlos ist der Konzern Kirche?

Nachgetragen 25.3.: Carsten Frerk hat anlässlich des Kölner Klinik-Skandals dem Deutschlandradio ein umfangreiches Interview zum Thema Krankenhausfinanzierung gegeben. Das Interview kann auf der Website des Radios nachgehört und nachgelesen werden.

Der aktuelle Skandal (Jan 2013) befasst sich mit der unterbliebenen Hilfeleistung. Vordergründig wird eine Vergewaltigte bei katholischen Krankenhäusern abgewiesen, hintergründig ist es ein Kirchenfinanz-Skandal. Dazu einige Kommentare (17.1.) und ein Video von Carsten Frerk (24.1.) über kath. Krankenhäuser.

  • atheisten-info.at findet die Worte Katholische Menschenverachtung
  • Die WAZ schreibt Katholische Kliniken in Köln wiesen Vergewaltigungsopfer ab
  • FOCUS Online: Aus "moraltheologischen Gründen" muss laut katholischer Führung vergewaltigten Frauen die Hilfe verweigert werden. Eine ärztliche Kollegin, die diesen Richtlinien zuwider gehandelt hatte, wurde entlassen, ohne Kündigungsschutz und mit Sperre beim Arbeitsamt wegen "selbstverschuldeter Kündigung".
  • Die SZ schreibt: Aus Sicht der katholischen Kirche ist klar: Abtreibung ist eine Todsünde, weil sie ein Menschenleben tötet. Also rechtfertigt auch eine Vergewaltigung keine Abtreibung, es muss vielmehr der betroffenen Frau so geholfen werden, dass sie das Kind bekommen kann.
  • Georg Korfmacher kommentiert mit diesem pdf.

Unstrittig ist, dass es auch um einen finanziellen Skandal geht, denn die betroffenen Krankenhäuser werden aus Staatsmitteln finanziert. Das macht es unerträglich, dass religiöse Regeln die zuständigen Mediziner in Kündigungsangst versetzen dürfen und sie so zu grundgesetzwidrigen Aktionen zwingen. Die Rechtslage ist gegen Anstand und Vernunft:
Das Betriebsverfassungsgesetz ist eindeutig, die Kirchen dürfen „ihre Angelegenheiten“ selbst regeln, zu diesen „ihren“ Angelegenheiten zählen die Arbeitsbedingungen der ca. 1,3 Mio kirchlichen Mitarbeiter in Deutschland, egal ob in der Mission und Verkündigung tätig oder als Hausmeister, Arzt oder Putzfrau.  Diese „kirchlichen“ Mitarbeiter werden übrigens fast ausschließlich von Staat und Sozialversicherungsträgern bezahlt, nicht etwa aus Kirchensteuern. Das gilt nicht nur für die Ärzte usw., sondern sogar für die Bischöfe Mixa & Co.

In einem LoRa-Interview spricht Carsten Frerk zu den Kirchenfinanzen (13.1.). Alle wichtigen Zahlen sind dabei, Kirchenvermögen 300 Mrd., Jährliche Zahlungen 15 Mrd. und nur 2% des Geldes kommen von der Kirche selbst - mp3 8 MB.

Das Thema ist in der ARD angekommen (26.11.): Gott hat hohe Nebenkosten.

In der EU sind die Kirchen beschäftigt, ihre Pfründe so gut es geht zu verteidigen - ein pdf von atheisten-info.at. Fundis kämpfen längst verlorene Schlachten wie gegen das Recht auf Abtreibung oder pöbeln im Internet Andersdenkende an. Neue Gruppierungen verabschieden sich von diesen weitgehend erfolglosen Strategien. Ausgehend von einer „Beobachtungsstelle“ in Wien probieren sie neue Ansätze aus. Vorgeblich im Namen der Menschenrechte.

Passend zum Violettbuch hat Carsten Frerk über die Kirchenfinanzen in Österreich geschrieben (29.9.). Zusammen mit dem österreichischen Journalisten Christoph Baumgarten hat er ein Buch über „Kirchenfinanzierung in Österreich“ vorgelegt.

Eine Presseinformation des bfg zum Thema Armutsbericht und was die Kirchen dagegen machen können, eingestellt 23.6. Stand 2010, aber immer noch hochaktuell.

Kath-web schreibt über Polen (21.6.): Regierungschef wirft Bischöfen Geldgier vor. In Polen ist die Situation auch nicht besser als in Deutschland, wo

  • die Monatsgehälter der Bischöfe (ca. 11.000,- €) vom Staat und nicht aus dem Kirchensteuertopf finanziert werden
  • die Monatsgehälter anderer religiöser Funktionsträger in den Diözesen und die Monatsgehälter sämtlicher Seelsorgsgeistlichen ganz oder zum großen Teil vom Staat bezahlt werden
  • die theologischen Lehrstühle an den Universitäten vom Staat bezahlt werden
  • die Kirche von Kapitalertragssteuer und Grundsteuer befreit ist
  • die katholische Kirche die Caritas nur zu ca. 4,5% finanziert, während sie dort zu 100 % bestimmt
  • weitere Punkte siehe unten

Zur Kirchensubventionierung in den USA zitiert atheisten-info.at am 21.6. den hpd: Eine in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Free Inquiry veröffentlichte Studie hat das mögliche Ausmaß der staatlichen Subventionierung der US-Kirchen
aufgezeigt. Den Berechnungen unter Federführung des Soziologen Ryan T. Cragun zufolge belaufen sich die  Begünstigungen auf einen Betrag von mehr als 71 Milliarden US-Dollar jährlich.

Ein finanzieller Kommentar von Georg Korfmacher (19.5.) - nach einer Schöpfungspause ist er wieder in München vom Montgelas-Palais, über die Stelle hinweg, an der Kurt Eisner 1919 auf offener Strasse ermordet wurde, in Richtung Theatinerkirche spaziert, vobei an dem Haus, in dem neuerlich wieder Kardinal Marx wohnt und tront.

Die HU hat ein ausführliches Info als pdf dazu gemacht (8.4.): Presse-Info Staatsleistungen

Neuauflage "Caritas und Diakonie" erschienen (3.4.) - wieder lieferbar ist Carsten Frerks Grundlagenwerk über Caritas und Diakonie. Auch wenn die Recherche mittlerweile einige Jahre zurückliegt, bieten die darin enthaltenen Daten und Fakten einen einzigartigen Einblick in die beiden christlichen Sozialkonzerne...

Carsten Frerk kommt am 13.3. nach München, dazu unser Termineintrag.

Wie der Staat die Kirchen finanziert - Interview mit Carsten Frerk (hpd) anlässlich seines Wienbesuch bei atheisten-info.at (21.11.)

Weil die Kritik so schön formuliert ist, zitieren wir einen Brief von den "Freien Bürgern für demokratische Werte" an die religionspolitische Arbeitsgruppe der FDP-Bundestagsfraktion. Bei denen geht es darum, in den kommenden Tagen (Stand 22.10.) über ein Modell zu diskutieren, „die staatlichen Zahlungen an die Kirche durch eine einmalige Abfindung zu beenden“. Sie würden sich freuen, so wurden sie im Focus zitiert, „wenn wir mit den Kirchen über eine Ablösung der Staatsleistungen ins Gespräch kommen würden.“
Natürlich ist es zu begrüßen, dass es nach mehr als 90 Jahren endlich Politiker gibt, die ernsthaft darangehen wollen, den Verfassungsauftrag zur Ablösung dieser Leistungen umzusetzen. Die Gelegenheit ist in der Tat günstig, weil ja sogar der Papst bei seinem Besuch in Deutschland einen Abbau kirchlicher Privilegien gefordert hat. Wer will da jetzt noch dagegen sein?
Doch weshalb sprechen Sie in Ihrer Partei noch immer von einer „einmaligen Abfindung“? Die Diskussion ist doch schon längst darüber hinausgegangen. Im April 2011 hat die Humanistische Union zu ebendiesem Thema eine genaue Rechnung präsentiert und festgestellt, dass z.B. die Staatsleistungen der Bundesländer an die Kirchen längst überbezahlt sind. In einem Interview mit der MIZ (2/11) stellte der Buchautor und Experte für Kirchenfinanzen, Carsten Frerk daher die Frage, ob nicht im Gegenteil ein Betrag von mehr als 13 Milliarden Euro, die zuviel gezahlt wurden, wieder an den Staat zurückgegeben werden müsste.
Auch Rechtsanwalt Dr. Christian Sailer aus Marktheidenfeld kommt in seiner im Netz einsehbaren Studie „Eine ‚ewige Rente’ für die Kirche?“ zu dem Schluss: „Des weiteren ist zu berücksichtigen, dass es sich bei den Staatsleistungen um einen Säkularisationsausgleich handelt, sodass bei der Abwägung zwischen den Subsistenzinteressen der Kirche und den Gemeinwohlinteressen des Staates die Frage auftaucht, inwieweit der Säkularisationsausgleich durch die jahrzehntelangen Zahlungen nicht längst erbracht ist.“ (S. 11)
Und der anerkannte juristische Experte für das Verhältnis von Staat und Kirche, der Richter i. R. Dr. Gerhard Czermak aus Augsburg, vertritt schon seit vielen Jahren die Auffassung, dass der Staat seine Leistungen einstellen sollte und auch darf, ohne einen einzigen Euro mehr zu bezahlen.
Und das gilt ja im übertragenen Sinne nicht nur für die Leistungen der Bundesländer. Auch andere (zahlenmäßig noch bedeutendere) staatliche Subventionen müssten längst auf den Prüfstand gestellt werden: die Ausbildung der Theologen, der Religionsunterricht an staatlichen Schulen, die Militärseelsorge sowie diverse Steuerbefreiungen usw.

14 Milliarden Euro Staatsleistungen an die Kirchen sind genug
Appell der Humanistischen Union (18.10.): Humanistische Union appelliert an Erzbischof Zollitsch und Präses Schneider, auf Weiterzahlung der Staatsleistungen zu verzichten Bund und Länder sollen endlich Verfassungsauftrag erfüllen
Die katholische und die evangelische Kirche sollen von den Bundesländern nicht weiter die Zahlung von Staatsleistungen in Höhe von jährlich rund 460 Mio. Euro verlangen. ... Die Bundesländer - mit Ausnahme der Stadtstaaten Hamburg und Bremen - zahlen seit Bestehen der Republik in Deutschland sogenannte historische Staatsleistungen exklusiv an die beiden großen christlichen Amtskirchen, obwohl die deutsche Verfassung seit 1919 verlangt, dass die Länder diese angeblich auf alten Rechtstiteln beruhenden Leistungen ablösen sollen und der Bund gesetzlich dafür Grundsätze aufzustellen hat. Erst kürzlich hat die Humanistische Union in einer eigenen Untersuchung gezeigt, dass die Länder, auch die DDR, allein seit dem zweiten Weltkrieg mehr als 14 Mrd. Euro als sogenannte Staatsleistungen an die Kirchen überwiesen haben. (Zahlen BRD / Zahlen DDR). Ob die Kirchen einen Rechtsanspruch auf die Zahlung von Staatsleistungen haben, ist juristisch umstritten. Die Humanistische Union hat wiederholt darauf hingewiesen, dass bei rechtzeitiger Ablösung der Staatsleistungen die öffentlichen Haushalte sich schon seit Jahrzehnten von dieser Belastung hätten befreien können und müssen. Dies hätte um so näher gelegen, als die Kirchen durch die ebenfalls im Jahre 1919 generell eingeführte Befugnis, Kirchensteuern zu erheben, eine ebenso verlässliche wie üppige Finanzquelle bekommen haben, die ihnen inzwischen mehr als neun Mrd. Euro im Jahr in die Kassen spült. Sie sind daher auf die zusätzlichen Staatsleistungen auch gar nicht mehr angewiesen. Die beiden Amtskirchen in Deutschland sind ausgesprochen wohlhabende Institutionen mit einem immensen Grund- und Finanzvermögen, zudem völlig schuldenfrei. Im Vergleich zu den reichen deutschen Kirchen ächzt die öffentliche Hand in Deutschland unter einer Schuldenlast von 2000 Milliarden Euro und sieht sich zudem wachsenden Anforderungen zur Stützung anderer Staaten in Europa gegenüber. Die Humanistische Union fordert daher die Kirchen zum Verzicht auf die Weiterzahlung der Staatsleistungen auf, und zwar ungeachtet der Rechtsfrage, ob insoweit ein Rechtsanspruch besteht oder nicht. Sie weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass selbst Papst Benedikt XVI. bei seinem Deutschlandbesuch aus theologischen Gründen die Befreiung der Kirche von materiellen Privilegien verlangt habe, damit sie sich danach wieder "auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden" könne. Die Deutsche Bischofskonferenz selbst hat jüngst bei ihrer Herbsttagung betont, sie wolle sich in der Frage der Staatsleistungen "ausgewogenen Lösungen" nicht verschließen. ... Unabhängig davon hat die Humanistische Union sich jetzt auch an die Rechnungshöfe des Bundes und der Länder gewandt. Sie sollen prüfen, ob die Länder auch heute noch den Kirchen Staatsleistungen gewähren dürfen.

inEntweltlichung durch Gebetsecken (6.10.). Ratzinger hatte auf seiner Deutschlandtournee mit seinen Forderungen (siehe atheisten-info.at Nr. 606 und 607) nach Entweltlichung der Kirche und einem Abbau der Privilegien erhebliche Unruhe inder katholischen Hierarchie erzeugt. Den ständig fließenden Strom öffentlicher Mittel in die Kirchen will man klarerweise keinesfalls hergeben. Zum selben Thema auf derselben Seite (10.10.): Staatlicher Geldsegen für die Kirche Bis heute profitiert die katholische Kirche in Österreich finanziell von Regelungen aus der NSZeit. Und hat das seltene Kunststück fertig gebracht, sich doppelt entschädigen zu lassen.

Die Sache kommt überall ins Rollen, die SZ schreibt am 28.9. über die Lohndumping-Praktiken der kirchlichen Arbeitgeber: Streiks bei kirchlichen Arbeitgebern "Knallharte Samariter"
Kirchenmitarbeiter dürfen nicht streiken. Die Gewerkschaft Verdi hat sie dennoch zum Arbeitskampf aufgerufen. Seit private Anbieter den Wettbewerb auf dem Sozialmarkt verschärfen, drücken auch kirchliche Arbeitgeber massiv die Löhne. Ein grundsätzlicher Konflikt ist entbrannt: Steht Organisationen wie Caritas und Diakonie, die Hunderttausende beschäftigen, ein eigenes Arbeitsrecht zu? Man kann nur hoffen dass die richterlichen Entscheidungen beim Nein bleiben.

Der Standard (Wien, 26.9.) schreibt: Das Rot-Grüne Papstkreuz - ein Koloss mit Symbolkraft. Die Stadt Wien finanziert ein "Selbstverherrlichungsprojekt" der katholischen Kirche in Wien. Auf Kosten der nichtkatholischen Mehrheit Wiens und mit Hilfe der Kronen Zeitung - die Steuergeld-Kollekte funktioniert auch in Österreich.

Das Echo bei theologie.de (1.9.): Warum zahlt der deutsche Staat immer noch so viele Milliarden Euro an die Kirche?

Neuste verfügbare Liste der staatlichen Zuwendungen als pdf (Stand 2009).

Mit der Petition Tendenzbetriebe und Religionsgemeinschaften kann man in die richtige Richtung wirken. "Hospize, Altenheime, Krankenhäuser, Kindergärten, Schulen und Werkstätten für behinderte Menschen werden heute quasi ausschließlich durch die Allgemeinheit finanziert, und zwar über Sozialversicherungen, Praxisgebühr oder einfach Steuergelder ... Im Arbeitsleben ist die freie Zugänglichkeit zu Arbeitsstellen häufig nicht gegeben, da Stellen im Kindergarten oder Krankenhaus z.B. an eine Konfessionszugehörigkeit geknüpft werden. Bei diesen Einrichtungen steht z.B. die Glaubensarbeit nicht mehr im Vordergrund, sondern es stehen der Dienstleistungscharakter und der wirtschaftliche Erfolg der Einrichtung im Vordergrund, so dass eine Ausnahme im Arbeitsrecht als „Tendenzbetrieb“ durch den Wandel der Gesellschaft nicht mehr zeitgemäß ist." Es geht nur um eine kleine Gesetzesänderung, aber da kann ja noch mehr kommen ...

Aktuelle Anmerkung zum Thema Spardebatte (SPIEGEL-online, 6.7.): Staat zahlt 442 Millionen Euro für Kirchengehälter. Die Bundesregierung spart und streicht, doch kirchliche Gehälter verschont sie. Die Bezüge werden seit 200 Jahren vom Staat getragen, und niemand scheint daran etwas ändern zu wollen. Kommentar bfg: da könnte man doch aufwandsneutral ein paar Steurchen senken...

Informationen und Materialien gibt es bei Kirchensteuer.de - Die Kirche und UNSER Geld. "Vielfach geht man von falschen Tatsachen aus und operiert mit Scheinargumenten. So wird der Kirche immer wieder unterstellt, sie benötige die Kirchensteuer, um ihre umfangreiche Sozialarbeit zu finanzieren. Die Gegner der Kirchensteuer haben mit diesem Argument leichtes Spiel, weil es in der Tat nicht stimmt und meines Wissens auch noch nie von einem Kenner der Sache so vorgetragen worden ist." (Zitat Dr. Norbert Feldhoff)

Die gbs München unterstützt das Violettbuch mit einem "Violettvideo", wo die Zahlenjonglage der Kirchensubventionen plastisch dargestellt wird.

Staatsleistungen: Die Rechnung ist beglichen. Die Humanistische Union (HU) präsentierte die Ergebnisse einer von ihr initiierten Untersuchung über die Staatsleistungen an die evangelische und katholische Kirche: "Die  Staatsleistungen an die evangelische und katholische Kirche, die seit 1949 von den Bundesländern bezahlt wurden: 14 Mrd. Euro. Ebenso sind in der DDR Staatsleistungen bezahlt worden: 630 Mio. Mark." Die HU legte einen Gesetzentwurf für die ersatzlose Ablösung der Staatsleistungen vor. Der bfg stimmt zu, denn Wiedergutmachung über zwei Kriege hinweg schafft mehr Unrecht, als sie beseitigt - werden doch alle anderen Geschädigten dadurch benachteiligt.

Die HU fordert Erfüllung des Verfassungsauftrags zur Ablösung der Staatsleistungen an die Religionsgesellschaften in einem Brief an die Minister und Senatoren (29.4.) - auch das sind Folgewirkungen des Violettbuschs.

Was Carsten Frerk initiiert hat, hat immer mehr Folgewirkungen. Jetzt ist das neue Informationsportal klafünf.de der Humanistischen Union (HU) und des Koordinierungsrates säkularer Organisationen (KORSO) über Staatsleistungen an die Großkirchen in Deutschland gestartet. Dort findet man eine gute Auswahl von Artikeln zum Thema.

Ein interessanter Artikel aus der TAZ zum Thema. Der Kommentar von Phillipp Gessler. Die Humanistische Union greift das Thema auf (19.4.): "Die Rechnung ist beglichen - Staatsleistungen an die Kirchen sind einzustellen." Auch die Süddeutsche Zeitung berichtet unter "Reiche Ernte" (nicht online), dass seit 1949 insgesamt 14 Milliarden Euro direkt an die Kirchen überwiesen wurden. Je Landesbürger sind's mal circa 1 Euro oder auch über 10. Dazu wird Carsten Frerk zitiert: "Die Begründug der Staatsleistungen mit historischen Ansprüchen ist reine Makulatur. Die Höhe der Leistungen hing vom Verhandlungsgeschick der kirchlichen Vertreter ab." Bei atheisten-info.at wird das so kommentiert:  "Deutsche Kirchen beuten Staat aus" - was wiederum den bfg zum Kommentar veranlasst, da müssen die Kirchen sich bei den anderen Abkassierern einreihen, die sich über die notleidenden Staatskassen hermachen. Um so unverständlicher, dass man nicht bei den kaum begründbaren Kirchensubventionen mit dem Sparen ansetzt.

Ein Interview mit Carsten Frerk über die Kirchenfinanzen und den Staat bei heise online (24.1.).

Jetzt gibt's ein Kirchensteuer-Video mit einem Schnellkurs für das Zahlenwerk (5.1.).

Carsten Frerk hat zuerst auf die unsozialen Arbeitsbedingungen unter Kirchenrecht hingewiesen. Jetzt (17.12.) hat sich die Debatte auf die christlichen Gewerkschaften ausgeweitet. Zunächst hat das Bundesarbeitsgericht in Erfurt der Tarifgemeinschaft Christlicher Gewerkschaften für Zeitarbeit und Personalserviceagenturen (CGZP) die Tariffähigkeit abgesprochen. Dazu der Bericht im Tagesspiegel. Besonders beeindruckend ist der Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 17.12. "Billig im Namen Jesu." Da ist die Rede von einer  "Billig-Gewerkschaft." In Wirklichkeit sind die christlichen Gewerkschaften aber keine Arbeitnehmervertretungen, wie aus dem Text hervorgeht,  sondern Arbeitgebervertretungen, die sich das Regelungsdefizit auf diesem Gebiet zunutzemachen. Und das Firmieren unter Gewerkschaft  verunglimpft die richtigen Gewerkschaften.

Endlich gibt's eine Reaktion der Kirche auf Carsten Frerks Kritik - nur anders als gedacht. Die SüddeutscheZeitung schreibt am 14.12.: "Kirchen beanstanden Rüstungsexporte der Regierung" Da steht doch tatsächlich zu lesen was die
Kirche zu Rüstungsexporten sagt: "Mangelnde Transparenz ist skandalös." Mangelnde Transparenz ist skandalös, wer hätte das gedacht? Die haben's nötig, kann man da nur sagen. An den fehlenden Zahlen sieht man sofort, das ist nur ein Ablenkungsmanöver, ein Schnellschuss ohne was dahinter. Der Druck muss wohl erheblich sein, dass die Kirchen sich auf so eine billige Masche einlassen.

Carsten Frerk in seinem Element, zu sehen am 26.11. beim hpd (Humanistischer Pressedient Deutschlands).
Neues Internetportal www.kirchensteuer.de zur Debatte um das Violettbuch. Auch die Kirchen haben auf das Violettbuch Kirchenfinanzen reagiert. In ihren Stellungnahmen versuchen sie, Carsten Frerks Analysen zu widerlegen. Wessen Argumente überzeugender sind, davon kann sich jeder (und jede) auf der Kirchensteuer-Seite selbst überzeugen. Zudem startet der Autor gerade zu einer weiteren Vortragsreise.

Dies Bild karikiert die Sache recht nett, wenn man sich's finanziell denkt - soweit die Auflockerung, und nun zum Thema. Als Einstieg ein Zitat aus Kapitel Nr 108 "Missbrauch der Forschung". Auf den Seiten 132 -133 bringt Carsten Frerk ein Beispiel zur "Forschung in Religionspädagogik". Das Projekt unter der Leitung von Prof. Anna-Katharina Szagun, Universität Rostock, heißt "Gottesvorstellungen von Kindern". Auftraggeber ist die evang. Kirche in Deutschland (EKD), Finanzier ist der Staat, der für die mehrjährige Forschung einen "sechsstelligen Betrag" aufgebracht hat. Das Ergebnis läßt sich schlicht als Anleitung zum mentalen Kindesmissbrauch verstehen.
Worum es in dieser staatlich finanzierten Anleitung zur Indoktrination von Kindern geht:  "... wie man sie lernen lassen kann, bereits als kleinere Kinder in religiösen Begriffen und Metaphern zu reden und zu denken" Erste Ergebnisse mit Original-Zitaten:

  • "bei konfessionslosen Kindern sind z.t. anrührende religiöse Suchbewegungen konstatierbar."
  • "für die Annahme einer natürlichen Theologie sprechen ... Denkmodelle von konfessionslosen Kindern, die ihre Gestaltung zunächst nicht verbalisieren können und z.T. einen längeren Weg unterstützter Elaboration benötigen..."
  • "wenn ein Kind keine Verknüpfung sieht zwischen seiner Lebenswelt und Gott ...." dann heißt das eindeutig: "dass ein Umbau des Denkens stattfinden muss."

Das stammt wohlgemerkt nicht aus einem mittelalterlichen Traktat, sondern es sind "Forschungsergebnisse", die mit Staatsgeld bezahlt worden sind. Hier hat Carsten Frerk einen schweren Missbrauch aufgedeckt. Es geht nicht nur darum, wie öffentliche Gelder für Privatzwecke der Kirche verwendet werden. sondern auch darum, dass mit diesen Mitteln zur Verdummung und Unterdrückung aufgerufen wird. Weil das nur einer von vielen Missbrauchsfällen ist, nimmt es nicht Wunder, auf welch auf großes Interesse das Violettbuch stößt.

Assunta Tammeleo, bfg-Vorsitzende und Organisatorin von 2 Frerk-Vorträgen: "Dass wir im bayrischen Oberland eine solche Presse haben für diesen Vortrag ist schon verwunderlich, freut uns aber natürlich sehr. Schließlich ist weder die Süddeutsche Zeitung (Lokalteil Wolfratshauser Neueste Nachrichten) noch der Münchner Merkur (Lokalausgabe Isar-Loisach-Bote) berühmt für besonders aufklärerische Haltung gerade auf diesem Gebiet. Dass beide große Landkreis-Zeitungen über diesen Termin geschrieben haben verdanken wir in beiden Fällen den Chef-Redakteurinnen vor Ort. Im Lokalteil hat man/frau manchmal doch mehr Freiheiten als anderswo.... In München kommen wir - trotz großer Bewerbungsmühen - zu keinem einzigen Artikel (weder im Vor- noch im Nachfeld)."
Die erwähnten Artikel sind im Münchener Merkur (5.11. und 12.11.) des Inhalts, Frerk möchte einen Mythos entzaubern, den Mythos der selbstlosen, uneigennutzigen und ausschließlich der reinen Nächstenliebe verpflichteten Kirchen. Dazu in der SZ (11.11.), wo Frerk so zitiert wird:  "die Kirche ist die beste Geschäftsidee aller Zeiten" und "Der Staat hätte 3 Mrd Mehreinnahmen, wenn die Förderung kirchlicher Strukturen wegfiele." Die Religion sei wichtig, um Werte in der Gesellschaft zu vermitteln, "aber warum reicht es nicht, wenn die Menschenrechte gelten?" Der Wahrheitsanspruch der Religionen stiftet mehr Unfrieden als Frieden, "In Konflikten wirkt sie als Brandbeschleuniger."
Anmerkung: Das zeigt, Carsten Frerk ist nicht bloß als Buchhalter und Kostenrechner präsent, sondern ganz allgemein als Kirchenkritiker, und er versteht sich auf pointierte Aussagen.

Von der österreichischen Seite erreicht uns ein Link zu Frerks Buch - Anmerkung: das wort "lercherlschas" = Furz einer Lerche - bezaubernde Wörter kennt man da ...
Aktueller Link auf hpd (16.11.): Beim Thema Geld werden die Mienen starr - Interview mit Carsten Frerk.

Neues vom Koordinierungsrat säkularer Organisationen (KORSO)(15.11.): Die Staatsleistungen an die Kirchen in Höhe von rund 500 Millionen Euro jährlich sollen ersatzlos gestrichen werden. Dies forderte der Koordinierungsrat säkularer Organisationen (KORSO) am Montagmorgen in Berlin. Flyer dazu. Dass die direkten Staatsleistungen von 500 Millionen an die Kirchen nur die Spitze des Eisberges sind, machte der Politologe Carsten Frerk deutlich, der in seinem gerade erschienenen Buch "Violettbuch Kirchenfinanzen" aufzeigt, wie großzügig der deutsche Staat die Kirchen finanziert. Frerk zufolge erhalten die Kirchen neben Kirchensteuereinnahmen in Höhe von 9 Milliarden Euro sowie 45 Millionen für Caritas und Diakonie indirekte staatliche Leistungen in Höhe von 19 Milliarden Euro im Jahr: "Trotz leerer Staatskassen werden die Kirchen mit Milliardenbeträgen gefördert", so Frerk "allerdings scheint kaum ein Politiker über das Ausmaß dieser Subventionen informiert zu sein." Um dies zu ändern, versandte die Giordano-Bruno-Stiftung im Auftrag von KORSO Frerks "Violettbuch" an über tausend politische Entscheidungsträger in Deutschland, darunter alle Bundestagsabgeordneten. "Es soll später niemand behaupten können, er hätte von alledem nichts gewusst", erklärte dazu Stiftungssprecher Michael Schmidt-Salomon. Anmerkung: Das Schlimme ist, die wissen es, das stand ja schon in Frerks Buch "Finanzen und Vermögen der Kirchen in Deutschland", aber es wird trotzdem nichts geändert.

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtet: "Wie die Kirche in Deutschland sich von den Heiden finanzieren lässt." Der Artikel steht in der heutigen (14.11.) FSZ auf Seite 55. Die Statistik gibt 19.3 Mrd Euro Zuwendungen pro Jahr insgesamt an, zusätzlich Kirchensteuer 4,9 Mrd (kath) und 4,4 Mrd (evang). Die größten Posten sind Kindertagesstätten (3,9 Mrd), Einnahmeverzicht (3,0 Mrd), Steuerbefreiungen (2,2 Mrd), Konfessionsschulen (2,2 Mrd). Ein redlicher Bericht, zu ergänzen ist die tatsächliche Zahl der Gläubigen, die weit unter der angegebenen Zahl von zwei Dritteln der Steuerzahler als Kirchenmitgliedern liegt (siehe Statistik im Laizismus-Artikel, die Zahl der Gläubigen liegt bei 19 Prozent für die Evangelen und nochmal 19 Prozent für die Katholiken).
Mittlerweile ist der Forschungsstand bei 19 Mrd Euro angelangt. So hoch sind die staatlichen Zahlungen an die Kirchen in Deutschland. Carsten Frerk hat seine Erkenntnisse deutschlandweit vorgestellt: "Den Seinen gibts der Herr vom Staat", und das Buch ist hier präsentiert. Die 19 Mrd werden bei telepolis kritisiert, auf regensburg-digital kommt ein frühes Echo, und auch der aktuelle SPIEGEL nimmt Bezug auf das Violettbuch - "Staat stützt Kirchen mit Milliarden."

Die Thematik ist in Österreich in anderer Form virulent (ots.at): Geheimer EU-Subventionskaiser Kirche: Millionenschwere Agrarförderungen. Verschärfend kommen dort die neuesten Camouflage-Bemühungen dazu. Auch dort werden die Agrar-Subventions-Infos nicht mehr veröffentlicht, nachdem der Europäische Gerichtshof einen Vorwand zum Abschalten geliefert hat. Wie man bei dem Link nachlesen kann, sind auch viele Millionen Kirchen-Subventionen betroffen, die damit wieder von der Bildfläche verschwinden. Carsten Frerk hat eine Sisyphosarbeit vor sich, wenn er das alles verfolgen will...