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Forderung: Umbenennung von nationalsozialistischen und Kolonialstraßennamen in München

Zuletzt aktualisiert von presse am 3. April 2020 - 11:50

Hamado Dipama, Mitglied des Migrationsbeirats der Stadt München, hat eine Petition an den Oberbürgermeister der Stadt München und die Fraktionsvorsitzenden der Rathausfraktionen ins Leben gerufen. Darin fordert er die Umbenennung von nationalsozialistischen und Kolonialstraßennamen in München.

Auch der Bund für Geistesfreiheit München hat am 17. November 2019 die Umbenennung der Kardinal-Faulhaber-Straße gefordert. Für den Bund für Geistesfreiheit ist es nicht akzeptabel, dass ein Kriegstreiber, Demokratiefeind und Hitler-Verehrer wie Kardinal Faulhaber mit einem Straßennamen geehrt wird. Die Süddeutsche Zeitung hatte darüber berichtet.

Wir dokumentieren im Folgenden das Schreiben von Hamado Dipama vom 9. März 2020:

"Am 30.06.2015 hat die Münchner SPD mit einem Antrag an das Direktorium-Stadtarchiv und dem Kommunalreferat-GeodatenService München aufgefordert „...ein Gutachten in Auftrag zu geben, das sich mit problematischen Straßenbenennungen im Hinblick auf die Zeit des Nationalsozialismus befasst. Der gesamte Bestand kritischer, aktueller Straßennamen in München soll identifiziert und Vorschläge und Empfehlungen für den Umgang damit erarbeitet werden …”.
 
Dieser Antrag ist begrüßenswert, doch nur zum Teil. Es ist selbstverständlich, dass NS-Verbrecher und ihre Sympathisanten keinen Straßennamen verdient haben.
 
Es soll überprüft werden, welche Straßen noch heute den Namen von NS-Verbrechern tragen und sie sollen schnell umbenannt werden.
 
Es ist aber bekannt, dass es in München viele Straßen gibt, die Namen von Kolonialsoldaten oder klar gesagt Mörder tragen, die am nachgewiesenen und dokumentierten ersten Völkermord des 20ten Jahrhundert, nämlich den Völkermord in Namibia, beteiligt waren.
 
Im Koalitionsvertrag verpflichtet sich die Bundesregierung zur Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte. Doch was ist dafür bisher geschehen? Nichts!
 
Als Resultat des SPD Antrages ist in den Medien zu entnehmen, dass die Prüfung der Straßennamen abgeschlossen sei, und dass von den 6177 Münchner Straßennamen, die von den Wissenschaftler*innen fachlich evaluiert wurden, etwa 330 Straßen in der Landeshauptstadt nach Personen, Orten oder Ereignissen benannt sind, die einer Klärung bedürfen und bei etwa 40 Straßennamen sieht dasStadtarchiv erhöhten Diskussionsbedarf.
 
In den genannten 330 Straßen oder 40 Straßennamen, die bald umbenannt werden, sind keine Kolonialstraßennamen mit dabei.
 
Wie ist es zu verstehen? Gehören Straßen, die den Namen von Verantwortlichen eines Völkermordes tragen, nicht zu historisch belasteten Straßennamen?
 
Hier sind 2 Beispiele:
 
Hermann von Wißmann (Wißmannstraße in Stadtbezirk 13)
 
1888 bis 1896, Befehlshaber der deutschen "Schutztruppe" sowie einer Söldnerarmee in Deutsch-Ostafrika (heutige Länder: Tansania, Burundi, Ruanda und ein Teil Mosambiks). Er ließ dort den von den Deutschen als Araberaufstand bezeichneten primär antikolonialen Widerstand blutig niederschlagen. Als Gouverneur an der Spitze der dortigen kolonialen Administration war er für viele brutalste Feldzüge verantwortlich. Beispielsweise leitete von Wißmann im Februar 1891 eine Strafexpedition gegen den Häuptling Sina von Kibosho, als dieser es wagte, die deutsche Flagge vom Mast zu reißen. Die Strafexpedition kostete 200 Verteidigern das Leben.
 
Er hat viele Städte, in denen sich Aufständische und ihre Familien verschanzt hatten, von den Kanonenbooten aus beschossen, in Brand geschossen oder zerstört.
 
Hans Dominik ( Dominikstraße)
 
Premierleutnant Hans Dominik war verantwortlich für umfangreiche Überfälle und Massaker an der Bevölkerung in Kamerun. 1892 bis 1910 wurde er als Leiter von „Säuberungs- und Strafaktionen“ mit der Hauptaufgabe, die Expeditionen und Vorposten, die die Ausbeutung Kameruns sichern sollten, zu schützen und gegen die Einheimischen vorzugehen sowie Kriegszüge gegen Städte und Völker durchzuführen. Die Aufständischen gegen die Kolonialisten in Yaounde wurden grausam gefoltert, bevor man sie oft lebendig in den Abgrund hinter die Mauern stieß, schwangeren Frauen wurde der Leib aufgeschlitzt; Männer wurden zerstückelt und die einzelnen Körperteile in den Abgrund geworfen.Die Würde der Menschen ist unantastbar und Menschen afrikanischer Herkunft gehören auch dazu!
 
Mit oder ohne Erläuterungstafeln verdient kein Massenmörder einen Straßennamen. 
 
Mit dieser Petition fordere ich die Stadt München auf, nicht nur Straßen mit nationalsozialistischen Namen, sondern auch mit belasteten Kolonialnamen in München umzubenennen.
 
Link zur Petition:
http://chng.it/rRVLVzXRbV
 
Für mehr Infos über die Kolonialstraßen in München siehe hier:
http://www.migrationsbeirat-muenchen.de/aktu.htm

Hamado Dipama, Mitglied des Migrationsbeirat der Stadt München"