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Kriegstreiber, Demokratiefeind und Hitler-Verehrer: Umbenennung der Münchner Kardinal-Faulhaber-Straße in "Sylvia-Klar-Straße"

Zuletzt aktualisiert von presse am 17. November 2019 - 12:42

Der Bund für Geistesfreiheit München (bfg München) fordert die Umbenennung der Kardinal-Faulhaber-Straße in "Sylvia-Klar-Straße". Für den bfg München ist es nicht hinnehmbar, dass ein Kriegstreiber, Demokratiefeind und Hitler-Verehrer wie Kardinal Faulhaber mit einem Straßennamen geehrt wird. Sylvia Klar war Mitglied der Deutschen Friedensgesellschaft in München, verhalf dem späteren bayerischen Ministerpräsidenten Wilhelm Hoegner zur Flucht, war bei der Widerstandsgruppe "Neu Beginnen" und wurde von den Nazis 1942 in der Gaskammer der Tötungsanstalt Bernburg ermordet.
 

Anfang November 2019 berichteten Medien, dass dem Ältestenrat der Stadt München in nicht-öffentlicher Sitzung eine von Historikern über Jahre erstellte Liste mit 370 problematischen Straßennamen vorgelegt wurde. Wer auf dieser Liste steht - Nationalsozialisten, Antisemiten, Rassisten etc. - darüber soll die Öffentlichkeit aber nichts erfahren. Zunächst wird sich eine weitere Expertenkommission mit der Sache befassen. Eine Entscheidung über die Umbenennung von Straßen soll dann erst der neu gewählte Stadtrat treffen. Der bfg München kritisiert die fehlende Transparenz bei diesem Verfahren und fordert die Verantwortlichen auf, die Liste umgehend zu veröffentlichen, damit sich die Stadtgesellschaft selbst ein Urteil bilden kann.

Die Ehrung Faulhabers mit einem Straßennamen im Jahr 1952 geschah damals ganz offenkundig in Unkenntnis seiner Gegnerschaft zur Demokratie. So schrieb der Kardinal am 15. September 1933 voller Hoffnung in sein Tagebuch, dass Hitler das gelänge, was Bismarck nicht schaffte, "das Übel des parlamentarischen demokratischen Systems mit der Wurzel auszureißen, (...). In letzter Stunde gab die Vorsehung dem deutschen Volk einen Mann, der es, so Gott will, zu einem besseren Reich führen soll."
 
Das geschah offenbar auch in Unkenntnis seines antisemitischen Hasses auf Kurt Eisner, den ersten Ministerpräsidenten des Freistaats Bayern, den er am 27. Februar 1919 als einen "Teil von jener Kraft, die Jesus gekreuzigt hat", bezeichnete.
 
Und das geschah wohl ebenfalls in Unkenntnis seines allgemeinen Antisemitismus. Im Oktober 1936 gestand Faulhaber dem NS-Regime das Recht zu, "gegen Auswüchse des Judentums in seinem Bereich vorzugehen." Und schon am 8. April 1933 schrieb der Kardinal an einen Priester, warum es für ihn wichtigere Dinge gäbe, als den bedrängten Juden beizustehen "(...) zumal man annehmen darf, und zum Teil schon erlebte, dass die Juden sich selber helfen können, dass wir also keinen Grund haben, der Regierung einen Grund zu geben, um die Judenhetze in eine Jesuitenhetze umzubiegen."
 
1936 verkündete Faulhaber zudem das "einmütige Bekenntnis der deutschen Bischöfe zum Führer und seinem weltgeschichtlichen Werk", rief 1938 "das katholische Volk" auf, "in weltgeschichtlicher Stunde ein Treuebekenntnis zum Führer und Reichskanzler Hitler abzulegen" und ordnete an, dass "in unseren Diözesen die Kirchenglocken geläutet werden".
 
Faulhaber darf man auch mit Fug und Recht einen kalten, herzlosen Kriegstreiber nennen, der schon den 1. Weltkrieg freudig und mit den Worten "Eisenpillen bringen Bluterneuerung" begrüßt hat. 1940 schrieb er an die Gläubigen: "Die christliche Religion verbietet schwächliches Jammern und ängstliches Zagen. Ein männlich-heldischer Zug liegt in der paulinischen Waffenpredigt. (...) Ich denke an die Treue des Soldaten zum Fahneneid. Das deutsche Lied hat es in die Welt hinausgerufen. Die Treue ist uns kein leerer Wahn."
 
Dies alles ist unvereinbar mit der besonderen Ehrung Faulhabers in München. Deswegen fordert der bfg München, dem Kardinal sowohl die Ehrenbürgerschaft aus dem Jahr 1949 abzuerkennen als auch die Kardinal-Faulhaber-Straße in "Sylvia-Klar-Straße" umzubenennen. Wurde sinnvoller und notwendiger Weise vor einigen Jahren die Meiserstraße umbenannt, so ist eine Umbenennung der Kardinal-Faulhaber-Straße ganz sicher mindestens ebenso geboten.
 
Besonders paradox ist, dass ausgerechnet die Straße, in der Ministerpräsident Kurt Eisner von einem Mitglied der katholischen Burschenschaft Rhaetia ermordet wurde, nach einem erklärten Feind der Demokratie benannt ist.