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Queer und Sichtbar in den Medien - Petition fordert Vertretungen in den Aufsichtsgremien der bayerischen Rundfunk- und Medienanstalten

Zuletzt aktualisiert von presse am 10. März 2021 - 15:58
Markus Apel vom LSVD Bayern auf der Pressekonferenz zur Kreuzklage des bfg München im Jahr 2018 - © 84 GHz - A. Sturm

Der Bund für Geistesfreiheit München fordert schon seit langem für Konfessionsfreie und Säkulare einen Sitz im Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks sowie im Medienrat der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien. Bisher vergeblich. Am heutigen 10. März 2021 haben der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Bayern und die Queer Media Society (QMS) gemeinsam eine Petition für mehr Vielfalt in den Medien gestartet. Die Organisationen fordern jeweils eine Vertretung für LSBTIQ* im Rundfunkrat und im Medienrat. Wir dokumentieren an dieser Stelle die Veröffentlichung des LSVD Bayern. Der im Text erwähnte Markus Apel ist übrigens einer der Mitkläger bei der Klage des Bundes für Geistesfreiheit München gegen den Kreuzerlass von Ministerpräsident Söder.
 
"Bereits 2014 hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass die Zusammensetzung der Aufsichtsgremien der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten die gesellschaftliche Vielfalt widerspiegeln sollen. Dennoch blieben LSBTIQ* in Bayern, als relevante gesellschaftliche Gruppe, bis heute von der Mitarbeit ausgeschlossen.
 
Dazu erklärt Markus Apel aus dem Landesvorstand des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD) Bayern: „Es ist kein Gefallen, mehr Menschen an der Gestaltung der bayerischen Medienlandschaft zu beteiligen, sondern eigentlich eine demokratische Notwendigkeit. Wir wollen, dass sich unsere vielfältige Gesellschaft in den Medien widerspiegelt. Nicht als Klischee, nicht als Problem, sondern als komplexe Realität. Mehr Sichtbarkeit trägt schließlich zur Anerkennung bei.“
 
„Es kommt nicht nur darauf an, DASS wir als LSBTIQ* gesehen werden, sondern auch WIE wir dargestellt werden und WER unsere Geschichten erzählt und umsetzt. Das gilt übrigens für alle Gruppen des Vielfaltsspektrums. Deshalb ist es von enormer Bedeutung, dass LSBTIQ* auch in den Entscheidungsebenen mitreden können.“,
erklärt Kai S. Pieck, Initiator der Queer Media Society (QMS).
 
Link zur Petitionsseite
 
Hintergrund
 
Nachdem LSBTIQ* in der Bundesrepublik über 60 Jahre von jeder Vertretung in Rundfunk, Fernsehen und Medien ausgegrenzt blieben, hat das Verfassungsgerichtsurteil von 2014 einen Wandel eingeleitet. Seitdem wurde mit der Berufung von Vertreter:innen des LSVD beim ZDF, beim Deutschlandradio, beim Saarländischen Rundfunk und bei Radio-Bremen erstmals auch LSBTIQ* die Teilhabe in den Aufsichtsgremien eröffnet. Auch in den Landesmedienanstalten von Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland haben LSBTIQ* mittlerweile Sitz und Stimme.
 
LSVD-Positionspapier „Die reale Zivilgesellschaft muss bei den öffentlich-rechtlichen Medien wirksam beteiligt werden“