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Schnipp schnapp - die göttliche Veredelung des Kindes durch Beschneidung

Zuletzt aktualisiert von bfg-muenchen am 25. März 2013 - 1:00

Am Jahrestag des Urteils des Kölner Landgerichts zur Beschneidung von Jungen findet in Köln am 7. Mai eine Demonstration statt unter dem Motto: Schutz aller Kinder weltweit vor jeglicher Verletzung ihrer körperlichen und sexuelle Integrität! Auf den 7. Mai ist auch ein „Welttag der genitalen Selbstbestimmung“ ausgerufen worden.

... und nun noch das Allerletzte, weil's so lyrisch ist: Ein Politiker der Grünen hat ein Beschneidungsgedicht verfasst (1.1.).

Nach dem letzten Text dazu kommt der allerletzte, Nachbemerkungen zum Beschneidungsdesaster von atheisten-info.at (15.12.).

Zum schechten Schluss haben die körperverletzenden Religionen ihren Willen gekriegt - ein Artikel von atheisten-info.at (12.12.): BRD: Gesetz gestattet Körperverletzung Meldung der ARD-Tagesschau vom 12.12.2012: Der Bundestag hat mit großer Mehrheit das Gesetz zur rituellen Beschneidung von Jungen jüdischen und muslimischen Glaubens beschlossen. Mal wieder ein Triumph der Politik über das Menschenrecht auf Selbstbestimmung.

Die SZ kommentiert  die Gesetzentwürfe zur Beschneidung mal andersherum (20.11.): "Auch religiöse Gruppen müssen sich verfassungsrechtlichen Werten beugen"

Ein pdf von atheisten-info.at zeigt die positive Entwicklung der Kindsrechte und nun den Rollback (12.11.).: Momentan allerdings ist in der Debatte vorgesehen, einen Rollback in alte Zeiten vorzunehmen, eigentlich bis in das Jahr 1900 zurück, weil dem Erziehungsrecht wieder Macht über den Körper des Kindes gegeben werden soll.

Offenbar hat die Schnippschnapp-Diskussion die Männerwelt an einer empfindlichen Stelle getroffen, denn es geht immer weiter damit.  Nun noch als letztes eine geistreiche Replik von atheisten-info.at zum vorauseilenden Gehorsam der Berliner (8.9.), die Körperverletzungen "aus religiöser Notwendigkeit" straffrei stellen: Für sozusagen legale Körperverletzungen gilt allerdings nur die "medizinische Notwendigkeit" als strafausschließend, eine "religiöse Notwendigkeit" gibt es - außerhalb eines reichlich verwirrten Gehirns eines Christpolitikers - rechtlich nirgendwo. Um es besonders deutlich und besonders drastisch zu formulieren: Führt der Herr Heilmann dann vielleicht auch die Steinigung bei Ehebruch ein, wenn dafür "religiöse Notwendigkeit" dargelegt wird?

Immer wieder werden Argumente für die Indoktrinierung vorgetragen, mit der Kinder jüdischer oder muslimischer Eltern per Psychoterror (Höllenfurcht) und Gewalt (Verstümmelung) zu "jüdischen" bzw. "musliischen" Kindern gemacht werden sollen. Auch die christlichen Religionen sind nicht frei von Indoktrinierung. Man muss nicht humanistisch geschult sein, um zu erkennen, wie menschenunwürdig das ist.
29.8.: Bei der aktuellen Diskussion um Riten und Gebräuche der Religionsgemeinschaften scheint die grosse Linie im Klein-klein zu ersticken. Die Väter und Vorväter unserer Verfassung waren offenbar klüger, als wir gemeinhin denken - Kommentar von Georg Korfmacher.
Und hier die Fehkentscheidung des fehlbesetzten Ethikrats, aus der SZ vom 25.8.: Anhörung nach heftiger Debatte Ethikrat empfiehlt Beschneidungen mit Betäubung
"Es ist ein Ja mit Einschränkungen. Der unabhängige (wie es um die Unabhängigkeit steht, sieht man auf unserer Kampagnenseite) Ethikrat bemüht sich darum, die Debatte über die Rechtmäßigkeit der Beschneidung zu versachlichen. Die Experten des Gremiums sprechen sich für Straffreiheit aus. Unter strengen Auflagen.
Der Hamburger Rechtswissenschaftler Reinhard Merkel betonte in der Sitzung, eine Beschneidung ohne Betäubung halte er "für rechtlich wie ethisch inakzeptabel". Diese dürfe nicht erlaubt werden. Er fügte hinzu, "ohne Anästhesie ist eine Beschneidung nicht nur schmerzhaft, sondern qualvoll". Es sei eine barbarische Handlung mit unerlaubtem Todesrisiko. In einem SZ-Artikel vom 25.8. (nicht online) erhebt Merkel die Stimme der Vernunft:

  • Es kann keine Abwägung von Religionsfreiheit gegen das Recht auf Unversehrtheit geben, weil die Rechtswidrigkeit der Körperverletzung ohne Abwägung ersichtlich ist
  • Auch kann nicht das Sorgerecht gegen das Recht auf Unversehrtheit abgewogen werden, weil das Sorgerecht kein Freiheitsrecht ist, sondern als Maßgabe das Wohl der Kinder hat.
  • Genausowenig kann das Streben nach Integration in die religiöse Gemeinschaft als Rechrfertigung dienen, denn eine solche Integration auf Dauer zu sichern, liegt jenseits des Rechts der Eltern.
  • Wenn eine neue Religionsgemeinschaft sich die Beschneidung neu ausgedacht hätte, oder wenn es auch nur um die Muslime gegangen wäre, hätte man die Beschneidung auf der Stelle verboten.
  • Aber: weil bei den jüdischen Belangen in Deutschland historische Sonderrechte gelten, liegt der Konflikt in der Abwägung jüdische Sonderrechte gegen Grundgesetz. Wo aber jüdisch-muslimisches Sonderrecht eingerichtet wird, begeht der Rechtsstaat einen Sündenfall, so Merkel.

(Neuste Kampagne von der gbs 28.8.) Nun kommt Kritik aus einer ganz anderen Richtung (29.7.): "Das Urteil eines untergeordneten Gerichts wird zum großen Ablenkungsthema, so als gäbe es keine aktuellen wirklich brisanten politischen Themen. Das hat Methode." Und richtig militant: Man möge sich nicht am "Kampf zur Rettung der deutschen Vorhaut" beteilgen, das sei ein beispielloser Flächenbrand an Kulturrassimus. Die "Geister der Vergangenheit", die sich da meldeten seien Nazionalsozialismus und Stalinismus.
Das dürfte nun überzogen sein, auch wenn diese "Geister" die Beschneidung bei Todesstrafe verboten haben. Von Todesstrafe war nicht die Rede, es soll ja nicht mal zurückgeschnippelt werden, wo denn auch? Das "Ablenkungsthema" ist allerdings ein gewichtiges Argument, und deshalb soll das Thema auf dieser Seite nur noch vertieft werden, wenn sich was Einschneidendes tut.

Noch fehlt der weibliche Standpunkt zur männlichen Kupierung, ansonsten sind die Argumente zur permanent gemachten Bevormundung inzwischen alle vorgetragen, und sie werden nur noch reihum aufgewärmt. Stand 2.8. Auch die Beschneidungslobbyisten im Deutschen Bundestag (alle Parteien außer der Linken) haben sich für die sinnlose Körperverletzung an Unmündigen stark gemacht, wenn auch nicht einstimmig. Siehe auch unsere Seite Rituale und Rationalität, die das Thema weiter fasst. Die aktulle Auslese:

Hier nimmt Erwin Peterseil von atheisten-info.at einen Pro-Kupierungs-Protagonisten auseinander (21.7.), ein paar Beispiele aus dem originalen Zitatschatz des Befürworters: Die männliche Beschneidung wird von den "neuen Atheisten" dazu missbraucht, Juden und Muslime zu diabolisieren, und er spricht von einer harmlosen Praxis - Nase abschgneiden wäre auch harmlos, nicht wahr?
Und noch ein Spruch, um zu zeigen, wes Geistes Kind sich da zu Worte meldet: Seriöse Evolutionsbiologen ... weisen seit langem auf die negativen Folgen für die Verankerung der darwinschen Evolutionstheorie im US-Schulunterricht hin. Na klar, die Welt wurde in sieben Tagen geschaffen, nur die Vorhaut war zuviel und muss ab. Oder etwa nicht? Dazu ein Video von Christopher Hitchens, der die Rabbis auseinandernimmt.

Noch ein paar ausgewählte Links zum Thema rituelle Beschneidungen, Hintergründe und die Postion der Vernunft aus wechselnden Lagern (20.7.):

Noch ein Bündel Links, die atheisten-info.at zum Thema gesammelt hat (18.7.), eine Pressemitteilung von da, und das Nachlegen der SZ mit einer Bestärkung der pro-Kupierung-Position: Immer mehr Rechte für immer weniger Kinder (online heißt es anders). Da wird die Beschneidung mit Nutella-Entzug bzw. -Überfütterung gleichgesetzt, das alles obliege den Eltern.
Kommentar bfg: Nutella hin oder her, das ist doch etwas anderes als die gewaltsame Zufügung eines körperlichen Makels - und dabei ist es egal, wie schön die Religion diesen Makel findet. Maßgeblich ist die Meinung des Betroffenen im mündigen Alter. So eine Entscheidung vorwegzunehmen ist ein schwerwiegender Eingriff ins Selbstbestimmungsrecht. Es berührt sogar die Freiheit der Arbeitsplatzwahl, wo doch die christlichen Religionen Wert auf Priester ohne äußerlichen Makel legen. Demzufolge kann ein Kupierter wohl  genausowenig wie ein Einbeiniger katholischer Priester werden.

Etwas weiter gefasst ist das Thema auf unserer Seite Rituale und Rationalität (17.7.), während die SZ vom 16.7. es ganz, ganz eng sieht: der Meinungsartikel Was Aufklärung verlangt (online anders benannt) möchte mit Recht richtig umgehen, d.h. frisch drauflos beschneiden, die Grundrechte wären ja nicht negiert, und es wäre auch nicht der Einstieg in die Scharia.
Wow, in der Süddeutschen Zeitung breitet sich Glaubensbeflissenheit aus. Der Autor will die Religionsfreiheit der Kinder beschneiden, auf unumkehrbare Art. Den Glauben über die Freiheitsrechte zu stellen, ist aber eine Negation der Grundrechte, und es ist der Einstieg in die Scharia. Man stelle sich vor, jemand wird als Kind intim gezeichnet und erlangt trotz der gewaltsamen Indoktrinierung eine andersartige Meinung. Der bleibt aber kupiert fürs ganze Leben - sowas zu unterstützen ist eine Blamage für die SZ.

Die FAZ vom 15.7. findet die maßgeblichen Worte zum Recht auf freie Religionsausübung - Kinderschutz von Thomas Gutschker: ... Das Gericht, wird nun behauptet, habe das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit nicht abgewogen gegen das Recht auf freie Religionsausübung. Doch da gerät einiges durcheinander. Der Staat schützt zuerst das Recht jedes Einzelnen, sich frei für oder gegen einen Glauben zu entscheiden. Was heißt das für einen Säugling oder ein Kleinkind, dem die Vorhaut als Zeichen des ewigen Bundes mit Gott entfernt wird? Dass seinem Körper eine religiöse Entscheidung aufgeprägt wird, die er im mündigen Alter nie mehr widerrufen kann. Das ist der Sinn dieses Ritus - und genau davor sollte das Grundgesetz jeden Bürger schützen.

Die ganz große Koalition aus CDU, SPD, FDP und Grünen zeigt dagegen ein grundgesetzwidriges Verständnis der Religionsfreiheit. All diese Parteien erlauben der Religion Übergriffe, und die Frömmigkeit des Führungspersonals reicht vom Kotaumachen vor dem Papst im Bundestag bis zum Kotaumachen vor der Bankenlobby. Was Wunder, wenn sie auch den religiösen Beschneidungsterror gegenüber Kindern unterstützen?

Dazu schreibt atheisten-info.at (14.7.): Ein lebhafter Proteststurm aus den Beschneidungsreligionen erhob sich, es war damit zu rechnen, dass die deutsche Regierung rasch in die Knie gehen und die religiöse Körperverletzung von männlichen Säuglingen gesetzmäßig festschreiben würde. Am 13.7.2012 ließ die deutsche Bundesregierung durch ihren Presssprecher Steffen Seibert die folgende Stellungnahme verbreiten: "Für alle in der Bundesregierung ist es völlig klar: Wir wollen jüdisches und wir wollen muslimisches religiöses Leben in Deutschland", daher müssten "verantwortungsvoll durchgeführte Beschneidungen" straffrei sein, es bereite der deutschen Regierung Sorge, dass sich die Ausübung dieses uralten religiösen Brauchs "nicht in einer Situation des Rechtsfriedens" befinde. Dieser Rechtsfriede müsse wieder hergestellt werden, das Bundeskanzleramt und die zuständigen Ministerien beraten die Sachlage.

Auf den Spuren der religionsgetriebenen Unmenschlichkeit fiel auch dieser Link aus der Schweiz auf (05.7.): Lausanner Spital betreut jährlich 600 Opfer von Genitalbeschneidungen - Im Kanton Freiburg wurde eine Somalierin wegen der Verstümmelung ihrer Halbschwester verurteilt. Zahlen der Spitäler in Genf und Lausanne zeigen, wie akut das Thema auch in der Schweiz ist. In Deutschland dürfte es auch so sein. Die weibliche Beschneidung ist trotz Verbot immer noch im Schwange.

Hier ein sehr fundierter Artikel über Beschneidungen, moralische und vorgeschobene medizinische Gründe und medizinische Tatsachen zugunsten der Vorhaut (12.7.). Dagegen titelt die Süddeutsche Zeitung am Fr, 13.7.: Rabbiner zu Beschneidungsurteil "Schwerster Angriff auf jüdisches Leben seit dem Holocaust" - die Meinung der menschenfeindlichen Reaktionäre aus der jüdischen Priesterszene versteigt sich zu der Aussage: Juden haben in Deutschland keine Zukunft mehr, wenn das Beschneidungsurteil Bestand hat

Beschneidungsrechtsgesetz gefordert -  wie atheisten-info.at meldet (6.7.): Das Urteil des Kölner Gerichtes, wonach die Beschneidung von Säuglingen eine unzulässige Körperverletzung sei, ruft die Beschneidungsreligionen und unbeschnittene Befürworter der Vorherrschaft religiöser Traditionen mit heftigen Forderungen auf den Plan.

Weitere Äußerungen zum Thema in der SZ (4.7.): ..“Die Beschneidung der Säuglinge fügt sich in die zahlreichen Versuche der Religionsgemeinschaften ein, möglichst früh bindende Rituale zu vollziehen. Das soll verhindern, dass diese von dem erwachten kritischen Geist überprüft und womöglich abgelehnt werden. Es sollte aber keine Frage sein, welche Haltung besser in eine moderne, aufgeklärte Gesellschaft passt: der Übergriff an Wehrlosen oder die Geduld, mit der eine reflektierte Entscheidung abgewartet wird…“
Und ein Interessanter Artikel zur Beschneidung in einem deutsch-israelischen online Magazin -  Der Autor argumentiert ganz im Sinne der Modernität.
Launiger Kommentar bfg: Die Coupierten haben keine medizinischen Gründe, und außerdem ist das Coupieren bei Hunden auch schon längst verboten!
Ernsthafter Kommentar des bfg aus der letzten Pressemitteilung des bfg: Aus Sicht des bfg-Bayern verstößt die rituelle Beschneidung sowohl gegen das Recht auf körperliche Unversehrtheit wie auch gegen das Recht auf negative Religionsfreiheit. Dass jede Beschneidung eine Körperverletzung darstellt, leuchtet sofort ein. Wenn sie medizinisch notwendig ist oder sich ein Erwachsener aus religiösen Gründen dem freiwillig unterzieht, ist dagegen nichts einzuwenden. Ein neugeborener Säuglich dagegen ist wehrlos; eine Beschneidung verstößt  somit gegen mehrere Grundgesetz-Artikel. Dass sich auch christliche Kirchen gegen das gerichtliche Verbot der Säuglingsbeschneidung empören, obwohl diese im Christentum gar nicht üblich ist, liegt wohl daran, dass nun auch die Säuglingstaufe ins Gerede kommt. Denn auch die verstößt gegen das Recht auf freie Religionswahl. Die Abschaffung der Säuglingstaufe würde die Existenz der Kirchen schwer treffen. Es würde ihnen der massenhafte Nachschub an Religionsanhängern im Zustand von deren Unmündigkeit und Wehrlosigkeit abgeschnitten werden.

Was die männliche Welt derzeit (29.6.) bewegt, ist das Beschneidungs-Urteil des Landgerichts Köln, Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen ist strafbar. Dazu ein kommentierender Artikel aus der SZ vom 30.6. eine Verteidigung der Beschneidung mit der gewohnten religiösen Sophistik und eine Replik aus freigeistiger Szene: Man kann durchaus die Geschichte des Antisemitismus kennen, und doch die Körperverletzung (und die Religionsfreiheit des Kindes!) als schützenswerteres Rechtsgut sehen, als die Freiheit der Eltern, ihr unmündiges Kind zu vereinnahmen durch eben diese - sei es auch rituelle und traditionelle - Körperverletzung. Das ist Aufklärung: Vor Jahrhunderten wurde schon eine alte Tradition, die von Bibel und Koran gedeckt ist, abgeschafft, weil sie menschenfeindlich war, nämlich die Sklaverei, das körperliche Züchtigen von Kindern. Da konnte man auch sagen, warum denn jetzt? Antwort: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Der originale Artikel aus der SZ vom 26.06.2012: Darf ein Arzt eine Beschneidung vornehmen, auch wenn der chirurgische Eingriff nicht medizinisch notwendig ist? Das Landgericht Köln hat entschieden: nein. Das Wohl des Kindes stehe über der freien Religionsausübung der Eltern. Das Urteil könnte wegweisende Wirkung haben... Durch die Beschneidung werde der Körper des Jungen dauerhaft und irreparabel verändert. Diese Veränderung läuft dem Interesse des Kindes, später selbst über seine Religionszugehörigkeit zu entscheiden, zuwider...
Dazu auch der Artikel in atheisten-info.at: Beschneidung ist Körperverletzung! und diverse Kommentare aus der freigeistigen Szene:

  • Für einen säkularen Staat ein klares, positiver Urteil. Wahrscheinlich wird es aber bald vor dem Verfassungsgericht landen, denn die Juden und Muslime werden dagegen Sturm laufen. Es wird sicher spannend werden. Denn auch die Taufe läuft dem Interese der Kinder zuwider, später selbst über seine Religion zu entscheiden. Allerdings ist es keine Körperverletzung und auch nicht irreparabel. Oder doch? Für die Kirche bleibt man wohl zeitlebens getauft.
  • Das Thema ist etwas komplizierter, weil es neben der religiösen auch eine medizinische Komponente gibt. In randomisierten Kontrollstudien (dem Goldstandard der medizinischen Forschung) hat sich herausgestellt, dass das Risiko von heterosexuellen Männern, sich mit HIV zu infizieren, bei beschnittenen Männern um bis zu 60 % (!) niedriger ist. Deswegen hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2007 sogar eine Empfehlung zur Beschneidung U.S.A. werden mehr als die Hälfte aller Jungen nach der Geburt beschnitten - und zwar nicht aus religiösen, sondern aus medizinischen Gründen. Diese Zahlen sollten auf jeden Fall nachdenklich machen. Es handelt sich nicht um ein rein religiöses Thema.
  • Die medizinischen Aspekte kann jeder Mann bevor er AIDS-Risiken eingeht ja noch SELBER für sich entscheiden und ggf. eine OP einleiten. Das so früh zu machen wie bisher ist also offenbar NICHT nötig. Deshalb denke ich, das Urteil ist höchst willkommen und durch das vorige Argument nicht im mindesten betroffen. Willkommen, gerade weil es die körperliche Unversehrtheit HÖHER stellt als religiösen Wahn.
  • Medizinische Gründe sind hier außen vor, die berührt das Gerichtsurteil gar nicht. Insofern kann jeder seinen Sohn beschneiden lassen, man muss nur medizinische Gründe vorschieben. Das ist ein pragmatischer Ausweg, das ist gut so, ich hab nichts gegen Beschneidung und erst recht nichts gegen Beschnittene. Was aber das Urteil in meinen Augen so wertvoll macht ist die (an sich selbstverständliche) Einschränkung der Religionsausübung gegenüber Dritten oder besser gesagt, zu Lasten Dritter. Denn auch das eigene Kind ist ein Dritter mit eigenen Rechten. Was jeder für sich selbst als Religionsausübung für richtig hält darf er ja machen, wenn aber Dritte betroffen sind, dann hört der Spaß auf, dann müssen Gerichte notfalls abwägen. Das gilt für Glockengeläut und Muezzinrufe und das gilt auch indirekt, wenn sich jemand z.B. aus religiösen Gründen selbst verstümmelt und dann der Allgemeinheit zur Last fällt (kommt bei uns zwar nicht vor, aber es gibt solche Naturreligionen). Ganz daneben ist die Ansicht, hier würde das „Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften“ eingeschränkt, wie vom Zentralrat der Juden geäußert. Das klingt für mich so als wären die Gläubigen Leibeigene der Religionsführer, als könne die Religionsgemeinschaft über deren Körper bestimmen oder gar über den Körper Dritter.
  • Die möglichen medizinischen Vorteile machen das Thema nicht komplizierter, weil die Beschneidung Minderjähriger eben nur dann - als unzweifelhafter Verstoß gegen das Recht auf körperliche Unversehrtheit - strafbar ist, wenn keine medizinischen Rechtfertigungsgründe vorliegen und die Beschneidung daher nur aus religiösen Gründen erfolgte. Medizinische Erwägungen bleiben deshalb komplett außen vor.
  • Hier stehen zwei Rechtsgüter unmittelbar miteinander in Konflikt, sind also gegeneinander abzuwägen: a) Das Recht auf freie Ausübung der Religion (auch "Religionsfreiheit" genannt) und b) das (Menschen-)Recht auf körperliche Unversehrtheit. Wir sind uns, denke ich, alle darin einig, dass "Religionsfreiheit" auch das Recht auf Freiheit von Beeinträchtigungen durch die Religionsausübung einschließen muss. Der Fall scheint also zunächst klar: Menschenrecht schlägt Religionsfreiheit. Die andere Seite argumentiert nun: Wir haben das aber schon Jahrtausende so gemacht und Ihr habt es Jahrhunderte lang geduldet. Es wurde "zum Kern unserer religiösen Identität" (Zitat eines führenden Repräsentanten der interessierten Kreise). Nun fällt Euch ganz plötzlich auf, dass es ein Menschenrechtsverstoß ist, und wir sollen sofort aufhören damit. Das kann nicht Euer Ernst sein! Was kann man antworten? Vielleicht: Gefoltert wurde auch schon seit Jahrtausenden. Irgendwann fiel ein paar Menschen auf, dass das gegen die Menschenrechte verstößt, die man kurz zuvor erfunden hatte. Die Auffassung, dass Folter eine verwerfliche, inhumane Barbarei ist, setzte sich weltweit unter den "Menschen guten Willens" durch. Auch Ihr wollt doch bestimmt nicht aus Tradition einfach weitermachen?
  • und als letzter Gesichtspunkt dieser: endlich sind die Männer gleichgestellt, denn die weibliche Beschneidung ist ja längst verboten.

Bei atheisten-info.at steht der informative und umfangreiche Artikel dazu (8.2., pdf  zum Runterladen).

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtet am 6.2. über religiöse Beschneidungspraktiken unter Blutiger Schnitt: "Jahr für Jahr werden in Deutschland jüdische und muslimische Knaben dem Ritual der Beschneidung unterzogen. Es ist eine weithin akzeptierte religiöse Praxis. Dass es auch ein Akt der Gewalt gegen Kinder ist, wird dabei ausgeblendet." Ein entsprechender Gesetzeskommentar von derselben Stelle: „Recht auf gewaltfreie Erziehung (wird vom Grundgesetz) zuerkannt: Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig."

Aus anderer Quelle der Artikel "Jedes Jahr werden 3 Millionen Mädchen und Frauen genital verstümmelt!" Die Site religionskritik.com ist auch sonst gut informiert.

Nachdem der bfg das schon so lange auf der Agenda hat, ist es schön, wenn sich freigeistige Mitstreiter dieses Themas annehmen. Genauso wie endlich der laizistische Teil vom Grundgesetz verwirklicht gehört, so muss auch der Beschneiderei Einhalt geboten werden. Das ist nun mal eine körperliche Bestrafung, eine seelische Verletzung und eine entwürdigende Maßnahme, zumal die Kinder keinerlei Schuld daran trifft, dass so drakonisch mit ihnen umgesprungen wird. Götter, die Menschenschnipsel brauchen, sind Kannibalen...
... und gehören entsorgt.