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Städtisches Kriegerdenkmal Giesing verändern - Friedensmahnmal statt Kriegerverehrung!

Zuletzt aktualisiert von presse am 15. Oktober 2020 - 7:59
Einer der Vorschläge der "Initiative Giesing Denk(t)mal" für das Kriegerdenkmal - Foto: Wolfram Kastner

Die 'Initiative Giesing Denk(t)mal' hat sich vorgenommen, das Kriegerdenkmal vor der Heilig-Kreuz-Kirche in Giesing, das mit militaristisch-nationalistischen Phrasen von 1929 aufwartet, in Zusammenarbeit mit der Landeshauptstadt München und der Münchner Stadtgesellschaft in ein Friedensdenkmal umzuwidmen. Dazu hat die Initiative einen Offenen Brief an den Oberbürgermeister geschrieben, den wir hier dokumentieren.


 
"Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
 
als 'Initiative Giesing Denk(t)mal' wenden wir uns an Sie und die Öffentlichkeit. Wir haben uns vorgenommen, das Kriegerdenkmal vor der Heilig-Kreuz-Kirche in Giesing, das militaristische Phrasen von 1929 aufweist, in ein Friedensdenkmal umzuwandeln.
 
Die Stadt dekoriert dieses Kriegerdenkmal alljährlich mit einem Kranz. Sicher würden Sie bzw. die LH München auch lieber einen Kranz für ein Friedensdenkmal dort niederlegen.
 
In diesem Zusammenhang sei ihr kürzlich verstorbener Genosse und Alt-OB Dr. Hans-Jochen Vogel zitiert. Dieser sprach am 4.5.1983 vor dem Bundestag folgende Worte: „Im Verhältnis zu anderen Völkern ist der menschenwürdige Frieden das höchste Gut.“ Daran sollten solche Denkmale gemahnen. Anstatt Heldentum zu verherrlichen, geht es uns um Frieden und Trauer um die im Krieg Ermordeten. Etwa im Sinne von Kurt Eisner, wonach ein jedes Leben heilig sei.
 
Deutschland hat zwei Weltkriege entfesselt und mit beispielloser Kaltblütigkeit unsägliches Leid über unzählige Menschen gebracht. Wir stehen heute für ein friedliches Zusammenleben der Menschen miteinander.
 
Für die Umgestaltung haben wir folgende Idee: Dem Denkmal werden an vier Seiten opake Plexiglasscheiben vorgelagert, mit Zitaten für Trauer um die Opfer und der Mahnung zum Frieden in Sichthöhe. Die Scheiben könnten auch getönt sein.
 

Foto: Wolfram Kastner

Wir haben bereits entsprechende Textvorschläge erarbeitet. Die militaristischen Texte von 1929 stehen jedenfalls unserem heutigen historischen Wissen und Verständnis entgegen. Wir sind uns darin einig, dass es deshalb dringend erforderlich ist, das Denkmal mit gut sichtbaren Kommentaren und Veränderungen aus heutiger Sicht zu versehen.
 
Wir würden es sehr begrüßen, wenn Sie unsere Initiative unterstützen. Sie soll auch beispielhaft sein für weitere Initiativen in anderen Stadtteilen. Deshalb hätten wir gerne alsbald einen Gesprächstermin bei Ihnen, um unser Anliegen persönlich mit Ihnen zu erörtern.
 
Die Umgestaltung des Denkmals dieses Jahr zum Volkstrauertag zumindest temporär zu realisieren, wäre schon einmal ein erster Schritt. So wäre es für uns denkbar, entweder keinen Kranz der Stadt dort abzulegen oder mit entsprechenden Texten auf den Kranzschleifen die militaristischen Aussagen am Denkmal zu konterkarieren. Die mit Gas, Bomben und Granaten Hingeschlachteten starben ja weder für Sie noch für uns, noch für irgendein Vaterland, sondern für gnadenlose Kriegsherren und Militärdiktatoren.
 
Ideal wäre natürlich, zu diesem Zeitpunkt schon eine erste Plexiglastafel dort aufstellen zu können. Das könnten wir ggf. auch erst einmal improvisieren.
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Dr. Herbert Dandl
 
'Initiative GiesingDenk(t)mal'; Dr. Herbert Dandl, HP Berndl, Gabi Denker, Anita Hilbig, Wolfram P. Kastner, Hans Proft, Wolfgang Stöger


Fotos: Wolfram Kastner