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TERRE DES FEMMES veröffentlicht jährliche Dunkelzifferstatistik zu weiblicher Genitalverstümmelung

Zuletzt aktualisiert von presse am 18. Juni 2020 - 12:33

In Deutschland sind schätzungsweise 20.182 Mädchen von weiblicher Genitalverstümmelung bedroht und 74.899 Frauen davon direkt betroffen. Das schreibt TERRE DES FEMMES – Menschenrechte für die Frau e.V. in ihrer am 15. Juni 2020 veröffentlichten jährlichen Dunkelzifferstatistik zu FGM (= female genital mutilation) in Deutschland. Wir dokumentieren ihre Mitteilung:

"Wie in den Jahren zuvor verzeichnen die Zahlen der von FGM betroffenen und bedrohten Frauen und Mädchen einen deutlichen Anstieg. 2019 waren laut Dunkelzifferstatistik 70.218 in Deutschland lebende Frauen von FGM betroffen. Im Jahr 2020 sind es 74.899 betroffene Frauen. Doch auch 20.182 in Deutschland lebende Mädchen sind davon bedroht, diesem Eingriff unterzogen zu werden (2019: 17.691). Laut dem europäischen Netzwerk End FGM EU (2019) leben in Europa 600.000 von FGM Betroffene.

Wie in so vielen weiteren Bereichen auch, befürchtet TERRE DES FEMMES zudem, dass die Folgen der Corona-Pandemie einen starken Anstieg von Fällen hervorbringen wird.

„Gerade in Krisenzeiten und in Zeiten sozialer Distanzierung appellieren wir an Behörden und Politik, Mädchen, die von Genitalverstümmelung bedroht sind, nicht fallen zu lassen!“, so Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES. „Wenn Mädchen nicht regelmäßig zum Arzt, in die Schule oder in den Sportkurs gehen können, steigt die Gefahr, dass der Eingriff in den eigenen vier Wänden, vollkommen unbemerkt, durchgeführt wird.“

TERRE DES FEMMES fordert, dass Fachkräfte aus dem sozialen und medizinischen Bereich flächendeckend zu diesem Thema geschult werden. Das Thema muss Bestandteil bei Aus- und Weiterbildungen zu medizinischen, pädagogischen, sozialen und juristischen Berufen werden. Nur durch Aufklärungsmaßnahmen und Sensibilisierungsarbeit wird es möglich sein, einen Abwärtstrend in den seit Jahren steigenden Zahlen herbeizuführen.  

TERRE DES FEMMES setzt sich seit der Gründung 1981 dafür ein, Präventions- und Aufklärungsangebote für bedrohte Mädchen umzusetzen. Mit dem EU-geförderten Projekt Let’s CHANGE bildet TERRE DES FEMMES sogenannte CHANGE Agents und Trainers aus, die in ihren Communitys als auch unter Fachkräften Aufklärungsarbeit zu weiblicher Genitalverstümmelung übernehmen."

Hier gehts zur detaillierten Dunkelzifferstatistik 2020, aufgeschlüsselt nach Bundesland (.pdf-Datei)